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Oberweis im Wandel der Geschichte

 

(von Marlis Evertz)

 


 

Inhalt:

 

Die erste urkundliche Erwähnung


Die vorfränkische Zeit

Oberweis unter der Herrschaft Neuerburg

Die Meierei Oberweis

Gerichtsbarkeit während der Neuerburger Zeit

Hexen in Oberweis

Kriegszeiten 1550 bis 1710

Oberweis unter französicher Besatzung

Die Zeit um 1880/90

Das Leben im Dorf um 1900

Der Tournickel (von Werner Bertrang)

Neubau der Oberweiser Kirche

Im ersten Weltkrieg 1914 - 1918

Ein trauriger Brief an eine Mutter (von Adolf Bales)

Die Zeit zwischen den Kriegen

Superbenzin 1920 (von Werner Bertrang)

Die ersten Jahre des Dritten Reiches

Oberweis im zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945

Weihnachten 1944 (erlebt und erzählt von Adolf Bales)

Oberweis nach dem Krieg

Aufschwung in den 50er Jahren

Großes Unwetter über Oberweis

Die weitere Entwicklung des Dorfes

Das Schwimmbad

Die Schule

Oberweis in den Jubiläumsjahren 2001/2002

 


 

Die erste urkundliche Erwähnung                                 

Oberweis, eine der ältesten Ortschaften des Altkreises Bitburg, hatte eine sehr wechselvolle Geschichte und diente im Laufe der 1200 Jahre seines dokumentierten Bestehens vielen verschiedenen Herrschaften.
Zum ersten Mal erwähnt wurde Oberweis in einer Urkunde des Harduwin und seiner Gemahlin Ava, mit der sie dem Kloster Echternach "Wis an der Prüm" schenkten. Diese Schenkung geschah im 31. Regierungsjahr des Kaisers Karl I., dem Großen; so steht es auf der Schenkungsurkunde laut Wampach im Echternacher Quellenbuch: "Geschichte der Grundherrschaft Echternach im Frühmittelalter". Wenn man weiß, dass Karl der Große seit 768 König der Franken war, müsste diese Schenkung im Jahre 799 stattgefunden haben. An anderen Stellen werden jedoch von Wampach die Jahre 801/802 genannt. Zu dieser Zeit war der Abt Ado Klostervorsteher, der als 4. Abt im Jahre 798 das Kloster übernommen hatte. Die Urkunde selbst befindet sich in den "Goldenen Büchern" der Stadt Echternach und liegt in der Nationalbibliothek Nürnberg.

Der Schenkungstext hat (nach Wampach) folgenden Wortlaut:

"Domino venerabili in Christo patri Adoni abbati Epternacensis (ecclesie)

Ego in Die nomine Harduwinus et coniunx mea danamus ad monasterium sancti Willib(rordi) res nostra in duobus locis qui siti sunt in pago Bedense, scilicet Wolfsvalt quod situm est super fluvio Nimisa, et in Wis quod situm est super fluvio Prumia, et quicquid ibidem visi sumus habere. Si quis vero de heredibus nostris ut supra.

Actum anno XXXI regnante Karolo rege."

Sinngemäße Übersetzung:

"Dem hochwürdigen Herrn in Christus, Vater Ado von Kloster und Kirche Echternach,
Ich, Harduwin und meine Gattin, schenken im Namen Gottes dem Kloster des heiligen Willibrord unsere zwei Ortschaften in "Pago Bedense" (Gau Beda) gelegenen Besitztümer, nämlich Wolsfeld, das am Flusse Nims gelegen ist und Wis, das am Flusse Prüm gelegen ist, sowie in ihrer Gesamtheit alles, was wir dort aus lebenden Inventaren besitzen.

Gegeben im 31. Jahr der Herrschaft Karls.



Die vorfränkische Zeit                                    

Schon zur römischen Zeit war der "Ort" besiedelt. Der Ortsname Oberweis, der sich im Laufe der Jahre aus dem germanischen Wort "wihs" für das römische "vicus" = Dorf entwickelt hat, weist auf den römischen Ursprung des Ortes hin.
So hieß der Ort noch 893 "Wihe" und 1222 "Veys". An anderer Stelle wird der Name "Weis" auf das vorgermanische Moorwort "wis", "wet", "was" = "wit", "wet", "wat", zurückgeführt, was auf sumpfige Orte hinweist. Das deutsche Wort Wiese = feuchtes Gras ist mit diesen Ausdrücken verwandt. Diese Namenserklärung könnte sich auf die Überschwemmungswiesen an der Prüm beziehen.

Germanen und Franken müssen ebenfalls hier gelebt haben, was Funde fränkischer Gräberfelder aus dem 7. Jahrhundert am Berghang des "Krämerberges", dem heutigen Friedhofsgelände, bezeugen.
Urkunden oder andere Schriftstücke vor 801/802 sind nicht erhalten, so dass man allein auf den Spaten vertrauen musste, um aus "uralten Zeiten" etwas zu erfahren. So wurden keltische Wallanlagen im Bedhard gefunden; sie deuten auf eine vorchristliche Besiedlung hin. Richard Nels, ein Hobby-Archäologe aus Oberweis, hat bei seinen Forschungsgängen am Burghof aus vorgeschichtlicher Zeit ein kleines Beil gefunden - auch ein Zeichen, dass schon sehr früh hier Menschen gewohnt haben müssen.
Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass es bereits zur Vorrömerzeit größere Siedlungen an der Prüm gegeben hat, denn erst die Römer und nach ihnen die Franken siedelten in Talbereichen, die durch einen ergiebigen Quellhorizont den reichen Wasserbedarf decken konnten.
Die römische Niederlassung nördlich des heutigen Dorfes war sehr ausgedehnt und zu ihrer Zeit auch wohl sehr bedeutend.
(Näheres dazu ist im Beitrag "Römische Villa bei Oberweis" aufgeführt.)

Mit dem Untergang des römischen Reiches ging - wie in der ganzen Eifel, so auch für Oberweis - die Herrlichkeit zu Ende. Die schönen Bauwerke wurden eingeäschert. Germanen, Franken bauten wieder nach ihrer Tradition mit Holz und Lehm. Das ist mit ein Grund, warum fränkische Siedlungen schwer nachzuweisen sind. Nach Angabe des Lehrers Altmeyer in der Oberweiser Schulchronik, der sich auf Baersch bezieht, sollen die "alten Herren von Oberweis sich nach Zerstörung ihres Besitztumes in Neuerburg niedergelassen haben" (Zitat aus der Schulchronik).

Zur Zeit der fränkischen Könige war Oberweis dem "Bedenser Gau" oder auch "Bedgau" genannt zugeteilt. Der Name kommt von "Beda" (heutiges Bitburg), einem Ort, der bereits in den Reiserouten des Kaisers Antonius (82-30 vor Christi) genannt wird. Der Bedgau wurde zu den Ardennen hin von der Sauer und zu dem Eifelgau hin durch die Kyll und Lieser abgegrenzt. Dieser Bedgau wird auch in der "Merseburger Teilungsakte" von 870 aufgeführt und König Ludwig dem Deutschen zugeteilt.

Oberweis war im 9. Jahrhundert schon eine Pfarrei. In Urkunden wird sie unter den zu Bitburg gehörenden Pfarreien aufgezählt. Das Bitburger Dekanat war damals dem Trierischen Archidiakonat "St. Peter" unterstellt.


Oberweis unter der Herrschaft Neuerburg                                

Noch im Jahr 1222, vom Entstehen des Ritterwesens an, als die bisherigen Gaugrafen als erbliche Grafen oder Dynasten auftraten, gehörte Oberweis den Grafen von Vianden, (Schrift von Caesarius von Heisterbach), die es als Lehen von der Abtei Prüm erhielten. In der Schrift wird Oberweis als "der Hof von Weis (Veys), welcher auf dem Prümflusse gelegen ist", benannt.
Jahrhundertelang gehörte ein Großteil des Bitburger Landes zu Luxemburg. Die frühe Bindung des hiesigen Landes an Luxemburg wurde endgültig durch den Vertrag zwischen Kurfürst Theoderich von Trier und der Gräfin Ermisinde von Luxemburg 1239 gefestigt.
Aus den Händen der Viandener Grafen kam Oberweis als Meierei unter luxemburgischer Landeshoheit an die Herren von Neuerburg, die damals ein sehr gutes Verhältnis zu Vianden hatten. Das war zu den Zeiten der alten Herren von Neuerburg, die sich meistens Friedrich nannten und deren Letzter kurz nach 1327 starb.
1332 verkaufte der Schwiegersohn Friedrichs von Neuerburg, Friedrich von Cronenburg, die ganze Neuerburger Grafschaft an den König Johann von Böhmen und den Grafen von Vianden gemeinsam.
1339 wurde der Kauf rückgängig gemacht. Allerdings währte das nicht lange.
Akute Geldnot veranlasste den Sohn "Friedrich II von Cronenburg und Neuerburg" Oberweis an Trierer Juden für "8000 Pfund Pfennige" zu verschachern. So geschehen am 14. August 1347. Am gleichen Tage verglich er sich mit diesen Juden über den Schaden, den dieselben während der "Pfandzeit" durch Raub und Brand litten. Wahrscheinlich war Friedrich nicht in der Lage, das Pfand einzulösen, deshalb verkaufte er Oberweis 1353 an den Kurfürsten und Erzbischof Balduin von Trier. So wie die meisten Verträge damals geschlossen wurden, so geschah es auch jetzt mit Oberweis, nämlich auf Wiederverkauf, denn später findet sich das Dorf wieder in Besitz derer von Neuerburg.
Etwas über einhundert Jahre blieb Oberweis nun bei Neuerburg. Es schien etwas ruhiger zu werden um Oberweis. Doch dann heiratete 1488 Cuno von Manderscheid in Neuerburg ein. Er lag in Streit mit Wyrich Most,und diesen Becher mussten die Oberweiser austrinken. Man fiel in das Neuerburger Gebiet ein und brandschatzte, so schrieb Cuno an die Regierung in Luxemburg. Der Meier von Oberweis wurde neben zwei anderen Männern gefangen gesetzt und in das Haus zu "Vaes" gebracht. Man verlangte "Brandschatzgelder" für die Freilassung. Diese Gelder wurden dann auch gezahlt. Der weitere Verlauf und der Schluss des Dramas ist nicht bekannt.


Die Meierei Oberweis                                   

Wie bereits erwähnt, bildete Oberweis eine zur Herrschaft Neuerburg gehörende Meierei unter Luxemburgischer Landeshoheit. Zur Meierei Oberweis oder Weis gehörten das Dorf Oberweis, die Dörfer Mülbach und Hoor (Hoorhof), sowie Teile der Ortschaften Hisel, Baustert und Feilsdorf.
Die Bewohner mussten den zehnten Teil des geernteten Getreides nach Neuerburg abliefern. Der Müller, der Meier und der Steuerbote von Oberweis hatten noch jährlich dazu ein fettes Schwein zu liefern. Allerdings erhielt der Meier auch ein sogenanntes "Meiergeld". Es bestand aus 1 Malter Weizen, 2 Malter 6 Sester Hafer und 1Gulden 6 Albus an Geld und einige diverse Nebeneinkünfte. Der Bote von Weis erhielt 1 Malter 6 Sester Weizen und an Geld 1 Gulden, 21 Albus nebst Nebeneinnahmen. Weitere Abgaben der Bevölkerung waren Rinder, Böcke, Eier, Pfeffer usw.
Starb in einem Hause der Hausherr, so musste an die Herrschaft das zweitbeste Stück Vieh geliefert werden. Wollte ein Bauer eines seiner Kinder in eine andere Herrschaft verheiraten, so musste er es erst von der Herrschaft seines Beringes loskaufen.
Bei einer Jagd wurden die Bauern der Meierei als Treiber verpflichtet. Die Einwohner der Meierei Weis waren sogenannte "Schaffleute" und hatten für die Herrschaften Arbeiten aller Art zu verrichten ("Frohnden thun"), wofür sie nur Kost und Futter für die Pferde bekamen. Man hatte "Schaffgeld" und "Wächtergeld" zu zahlen. Dieses betrug im Jahr 160 Groschen bis 6 Gulden. Außerdem war noch eine Landessteuer für das Land Luxemburg zu entrichten.
1597 gehörten zur Meierei Weis 31 Häuser, deren Bewohner folgende Namen hatten - Namen, die zum Teil noch heute im Dorf geläufig sind oder als "Hausnamen" benutzt werden.

Theis Spingel Hupricht Schranen Hans Schroeder
H. Könen Peter Meiers Stoffel Heuches
H. Brindel Wasen (Weißgerber) Wilhelm Richard
H. Th. Theins Henkis Peter Thielen
Wilhelm Ritters H. Storst (Meier) Endris Heinen
Claus Steins Jakob Adam Claus Ruders
Theis Zwietes Wilhelm Gueden Hupricht Leonard
Peters Theis Joesbe (?) H. Schiefers
Poesz (?) Schmitts Steffens Weynand (Koch) H. Hacken
Claus Wessels Steffen Berkots


Oberweis soll die reichsten Bauern der Umgebung gehabt haben. Es werden diesbezüglich folgende Namen genannt wie: Thielen, Schiefers, Storst, Gueden, Ritters (Röders), Wasen (Vohsen), Zwiertes, Hacken, Berkots (Berkes). Die Reihenfolge dieser Namen ist nach der Höhe der zu entrichtenden Abgaben aufgestellt. So muss das Haus Thielen zu dieser Zeit das Wohlhabenste im Dorf gewesen sein. Alle diese Namen existieren heute noch im Dorf als Hausnamen.

1785 sah die Sache etwas anders aus. Betrachtet man jetzt die Abgabenliste, stehen an der Spitze Justen, Meyers, Fohsen, Storst, Lönners, Zwiertes und Schiefers. Namen wie Thielen, Gueden, Berkes schienen inzwischen an Gewicht verloren zu haben.


Gerichtsbarkeit während der Neuerburger Zeit                                  

Der Hof zu Weis hatte auch ein Gericht. Einen Hinweis hierauf gibt das "Altenhofer Galgenkreuz" auf dem Galgenberg mit der eingemeißelten Jahreszahl 1499, das als Gerichtskreuz angesehen wird. Auf einer Seite des Kreuzes ist eine Schwurhand zu erkennen, auf der anderen Seite das Lamm Gottes. Man sieht bei diesem Kreuz eine Verbindung zum Echternacher Justizkreuz und zum Trierer Marktkreuz.
(Weitere Erläuterungen zu den Oberweiser Kreuzen finden sich in einem gesonderten Beitrag.)

1592 bestand der Gerichtshof aus: Poesz Schmitt und Wilhelm Reinard aus Weis, Theis Arnold aus Hisel, Theis Thomis aus Stockem und Claes Hasen aus Brimingen.
Man entschied über Schuldforderungen und konnte diese auch eintreiben. Für angerichteten Schaden oder Grenzsteinversetzungen wurden Strafen festgesetzt. Bei Weigerungen konnten vom Meier oder dem Steuerboten Pfändungen durchgeführt werden. Ferner wurde darüber gewacht, dass niemand sein Gut ohne Erlaubnis der Herrschaft verkaufte, verpfändete, vertauschte oder verteilte. Die Kosten der Gerichtsverhandlung hatte der Beklagte in Form von Geld oder Naturalien zu tragen. Sie waren für den Meier und den Steuerboten bestimmt.

Das "Hochgericht" über Oberweis war in Neuerburg, wobei es zu heftigen Streitereien zwischen den Herren von Neuerburg und Bettingen kam, wem denn nun eigentlich die Gerichtsbarkeit Oberweis gehöre und an wen somit die Strafen und Abgaben zu zahlen seien. Es kamen schon einige Gulden zusammen. Hier einige Beispiele aus Akten, die der Oberweiser Schulchronik entnommen worden sind:
"Anno 1539 liefert der Meyer Husmann wegen einer Buß an die Grafschaft Neuerburg ab 80 Gulden."
"1568 bezahlt Claus uff der Bach zu Weisz, weil er die Gemein überfahren uff dem Land, das er von dem Bayer bestanden hat, 1 Gulden 9 Albus Strafe nach Neuerburg."
"Anno 1570 wurden an Strafen, die auf dem Jahrgeding zu Weisz verfallen waren, 161 Gulden an die Kasse der Herrschaft Neuerburg abgeliefert."
"1578 gab es bei den Weiszer 4 Gulden Buße, welche - wohl als Geschenk der Herrschaft - bei dem Meier von Weisz in Beisein des Gerichtes verzehrt wurden."


Hexen in Oberweis                                  

Über schwere Vergehen, besonders Zauberei und Hexerei, wurde meistens von Neuerburg aus entschieden.
Am 22. Februar 1629 wurde Adams Mari von Oberweis wegen Zauberei hingerichtet. Außerdem mussten 33 Gulden Strafe an die Neuerburger Kasse gezahlt werden.
Jenekes Susanna von Oberweis wurde am 24. April 1630 wegen Zauberei hingerichtet.
Am 17. Juni wurde Richards Dietz von Oberweis wegen Zauberei "in Straf" von 8 Goldgulden genommen.
Roders Els hatte am 13. Mai 1631 eine Buße von 10 Gulden zu zahlen.
Conen Anna musste für das gleiche Vergehen 14 Goldgulden zahlen.
Storst Adam von Oberweis wurde 1630 wegen Zauberei zu 20 Goldgulden verurteilt. An anderer Stelle heißt es, er sei hingerichtet worden.
Zieht man verschiedene Quellen zu Rate, so ergeben sich immer wieder Unterschiede in der Darstellung der Ereignisse und in der Terminierung.
Eine Liste der Oberweiser Hexenopfer (entnommen aus dem Familienbuch der Pfarrei Oberweis) soll hier eingefügt werden:

Adams Mari + 1629 die wegen Fluchtgefahr vorzeitig eingesperrt wurde und deren Ankläger, der Schmied Ludwig, acht Zeugen aufbrachte und 17 Anklagepunkte vorlegte, die hauptsächlich darauf abzielten, der "Hexe" einen üblen sittlichen Ruf nachzuweisen und verübten Schadenszauber beweisen sollten. Sie soll ein Pferd und eine Kuh in den Tod getrieben haben. Die Tatsache, dass sie sich durch Flucht der Verhaftung entziehen wollte, genügte zur Festnahme und zur Anklage.
Körperichs Margerite wieder verhaftet 1613, Urteil nicht bekannt
Spingels Sunna + 1620 Hexe beim Görgenhof
Reicharts Kathrin + 17.60.1630
Thielen Grieth + 30.05.1628 hatte gegen die Reicharts gezeugt
Steins Trin + 12.03.1630 Ehefrau des Steins Henri, hingerichtet
Schroden Maria + 24.04.1630 Selbstanklage, hingerichtet
Heuches Sunna + 24.04.1630
Sunne Dominika + 24.04.1630 Frau des Hankes Hans
Ludwig Peter wegen Unzucht mit Ruders Else
Bauler Emilie wegen Sodomie und Blutschande
Reichart Diez + 17.06.1930 hingerichtet
Stoechs Adam + 24.09.1630 hingerichtet
Koch Peter und
Kuhnen Wilhelm und Sohn konnten sich 1631 durch Flucht ins Niederrheinische retten.
Roders Else + 1631 Februar
Bauler Emma + 01.04.1631
Kunen Anna + 02.04.1631
Steins Julie + 04.04.1631 zuerst enthauptet, dann verbrannt;
Ludwigs Peter + 02.05.1631 einer der Hauptankläger in Oberweis
Ritters Mergen + 16.05.1631
Heyen Margaretha + 24.05.1631 zuerst aufgehängt, dann verbrannt
Gürde Sunna + 1631 Mai
Koch Eva + 1631 Mai
Maria + 1631 Mai Haushälterin des Pastors
Meyers Maria + 1631 Februar
Meyers Peter + 1632 hingerichtet; war nach Ludwigs Ankläger in Oberweis

In der Grafschaft Neuerburg wurden etwa 100 Prozesse geführt.

Merkwürdige Vorstellungen hatte man in der damaligen Zeit von dem Treiben der Hexen in Oberweis. Im Heimatkalender von 1974 schrieb Theo Kyll über Hexen folgendes:

"....In Oberweis war der Teufel los! Auf "Brazelt" am alten Weg nach Bitburg ging es in der Walpurgisnacht heiter zu. König war Peter Ludwigs, der mit seinem Schwager Peter Meyer in einer goldenen Kutsche angefahren kam. Vier Pferde trabten davor, in Wirklichkeit waren es jedoch Maulwürfe, durch Zaubermacht zu Pferden gewandelt. Storß Adam hatte es nicht soweit geschafft, er kam wie der Wind auf einem Wiesenbaum geritten. Alle die anderen, Männlein wie Weiblein, flogen auf Besen an, glänzend am Körper von der Hexensalbe. Heidi! Dann gingen Hexentanz und Teufelsbuhlschaft los. Ritters Peter, ein Schwager von Peter Ludwigs, war Pfeifer und spielte heiße Weisen. Am Feuer stand Storß Mey und kochte eine Suppe, die vom wilden Tanz Müden zu stärken zu neuem Tanz. Und wenn die Nacht in den neuen Tag dämmerte, verflog der Spuk....."

Im weiteren Verlauf seines sehr anschaulichen Aufsatzes schreibt Theo Kyll:

"...Am Mittwoch, dem 16. Januar 1630 begann einer der denkwürdigsten Prozesse aller Hexengerichte unseres Heimatraumes. Angeklagt war Adams Maria, die bei Peter Meyers wohnte, wohl eine Magd in Ritters Haus. Und hier wird uns der Hexenteufel von Oberweis vorgeführt, so plastisch in seinem späteren, eigenen Prozess, dass man ihn heute noch greifen könnte - Ludwigs Peter - der Schwager des Meyers Peter (beide hatten Schwestern geheiratet). Es scheint, als ob Peter Ludwigs der Angeklagten Adams zu nahe getreten sei und kein Gehör fand. Bei der Abweisung entsprang scheinbar der Hass und der Modetorheit folgend, suchte sich Ludwigs einen Zeugenstab und beklagte das armselige Wesen Adams Maria, eine Dienstmagd, als Hexe. ...Sein Schwager Peter Meyers - vielleicht war er auch einmal abgeblitzt - war der Erste. ...Daneben traten als Zeugen auf: Peter Meyers Frau, Petronella, 33 Jahre alt (20 Jahre jünger als ihr Mann). Auch das Gesinde hat er gekauft. Zuerst die Magd Ackermanns Maria von Berscheid und dann den Knecht Sonntagh von Hütten. Aus Oberweis fungierten noch als Zeugen: Die Frau des Kuhhirten (Kho Hirdies), Lenhardts Peter, der Schneider; Brower Els (50Jahre alt) und aus dem Nachbarort Wettlingen Kriegers Klaus, wohl ein Knecht, der in Oberweis in Dienst stand. Am 24. Februar 1630, einem Sonntag, wurde das Urteil gefällt. Sie starb auf der Höhe beim Görgenhof. Aber ihre Rache...war fürchterlich! In den Qualen der Folter nannte sie die Namen derer, die ihr nicht genehm waren und zum Teil Schuld an ihrem Tod trugen. Die als Zeugin in einem Prozess aufgetretene Gritt Thielen war die Erste.....Dann folgten Trein Steins, Heuckes Sunna, Ritters Margaretha, eine Witwe Maria Schroders und Koch Trein. An Männern nennt sie Cönnen (Kunen) Wilhelm, der aber mit seinem Sohn geflohen war, und als letzten ihren Ankläger Peter Ludwigs. Die Bezichtigungen hatten Erfolg.
Mit dem Morgengrauen 1631..... wird der Hexenmeister Peter Ludwigs auf die Bühne des Prozesses gezwungen........nach den Prozessberichten zu schließen muss er etwa 45 Jahre alt gewesen sein, als man ihn verhaftete. Sein Beruf war Schmied....er war des Lesens kundig und konnte vermutlich auch schreiben. Talentiert, wissen die Menschen von ihm zu sagen, handwerklich geschickt und erfinderisch....Peter Ludwigs war der Typ eines intelligenten Handwerksmannes, der sich in der Welt umgesehen hatte. Seine Dorfgenossen überragte er nicht nur an Körper, sondern auch an Geist. Durch seine cholerische Veranlagung wuchs seine Unbeliebtheit von Tag zu Tag, wohl auch durch seine Gewalttätigkeit, die einem ungezähmten Geltungsdrang entsprang. .....Zeugen waren von seinem Ankläger Heinrich Stein aufgeboten worden.....Es war eine harte Tortur. Ludwigs Peter behauptete, unter einem bösen Stern geboren zu sein und hierdurch sei ihm das Schicksal zuteil geworden, sich der Zauberei zu widmen. Er verlangte ein Planetenbuch, um dies zu beweisen. Es half ihm nichts, die Folter wurde angesetzt. Sie muss grausam gewesen sein.....In der Folter nannte er eine Reihe von Komplizinnen und Komplizen...widerrief jedoch schon am folgenden Tag........Noch ist die Verhandlung nicht beendet und das Urteil.....nicht gesprochen, da geschieht etwas, das selten in der Geschichte der Hexenprozesse ist.....Am 22. Februar 1631 war der Kerker leer. Ludwigs, in Tortur und Folter geschunden, hatte die Eisenstangen zerbrochen und war flüchtig. Dies zeugt für die schier übermenschliche Kraft, die damals schon allein genügte, einen Menschen als Hexer anzuklagen. Ein Verwandter war ihm behilflich und schaffte ihn ins Kölner Gebiet. Im März 1631 wurden seine Frau und seine Schwester beim Görgenhof eingeäschert; so hielt er es wohl nicht mehr in der Fremde aus und kam Ostern 1631 wieder daheim in Oberweis an. Jetzt beginnen die Puppen zu tanzen. Von sechs schwer bewaffneten Männern wird er nach Neuerburg eskortiert. Vor Gericht verlangt er wieder ein Planetenbuch, weil er im Hang des Aberglaubens fest an die Astrologie glaubt........Alle Winkelzüge halfen Peter Ludwigs nicht mehr, auch nicht die Drohung, dass er "vor der hütten solche mit unwahrheit gethanes bekenntnuß widderruffen würde". In den letzten Qualen der Folter nennt er wieder Komplizen. Diesmal ohne Widerruf!......Am 2. Mai 1631.. verbrennt der zerschundene Körper wie alle....,die der Hexenwahn fraß.

Nach etlichen weiteren Prozessen und Verbrennungen, tritt der letzte Hexer aus Oberweis auf die Bühne des Grauens. Er war von Mergen Heyen als Teilnehmer beim Hexentanz auf dem "Bratzelberg" nahe dem Weg nach Bitburg genannt worden. Er wurde 1632 hingerichtet. Damit nahm die Hexentragödie in Oberweis ein Ende. Jetzt traten Krieg und Pest an die Stelle des Hexenwahns. "Tod und Teufel hatten sich im Krieg gemästet. Sie brauchten keine Hexen mehr!"


Kriegszeiten 1550 bis 1710                                   

Wie alle Dörfer und Höfe der Herrschaft Neuerburg hatte Oberweis während der schlimmen Kriegsjahre, die fast ununterbrochen von etwa 1550 bis 1710 andauerten, viel zu leiden unter Willkür und Barbarei, unter Mord und Totschlag von sogenannten Freunden und Feinden gleichermaßen. Die Leute auf dem flachen Land waren allen Unbillen ausgesetzt, wohingegen die Stadt, von Mauern umgeben, ziemlich gnädig wegkam.
Es war die Zeit, in der das Gebiet von der spanischen Krone verwaltet (1555 - 1713) und in die Erbfolgekriege einbezogen wurde.
Hauptfeinde waren die niederländischen Freibeuter und die Franzosen. Erstere in den niederländischen Freiheitskriegen gegen die Spanier, letztere in einer ganzen Reihe von Kriegen, die sie gegen Spanien und Deutschland führten. Freunde waren die luxemburger Truppen, deutsche Hilfstruppen, Kroaten und Polen. Aber was waren das für Freunde! Zwangseinquatiert im luxemburger Herzogtum, wetteiferten sie darin, die Einwohner aufs Grausamste zu quälen. Wie Räuber lauerten die Soldaten an Wegen und Stegen, um Vorübergehende zu überfallen und auszurauben. Zwar versuchten der Provinzialrat und die Stände das Militär zur Ordnung und zur Einhaltung der Reglementierungen aufzurufen, doch das war völlig zwecklos. Das Land versank in Chaos. Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Das waren die Freunde!

Zur Zeit Ludwig XIV. mussten die Einwohner während der Belagerung von Luxemburg nicht nur Pferde und Gespanne stellen, sondern auch Getreide abliefern. Alles, was von den Armeen nicht gebraucht wurde, musste vernichtet werden, um dem nachrückenden Feind keinen Proviant in die Hände fallen zu lassen.
Wie dramatisch die Lage in Oberweis war, ist aus einem in der Schulchronik aufgeführten Brief ersichtlich, den die Oberweiser 1646 an die Herrschaft in Neuerburg schrieb:

"An die durchlauchtigste und hochgeborene Fürstin und Frau, Frau Maria Cleopha, Herzogin
von Aremberg und A..?. , geborene Gräfin zu Hohenzollern - Siegmaringen und Worringen, Frau zu Neuerburg etc.
Euer Fürstlichen Hoheit in Unterthänigkeit vorbringen die sämtlichen Untersaßen der Meierei Oberweis, wie daß sie nun mehr seit her etlich Jahren bei jetzigen hochverderblich Kriegsjahren mit vielen über die Maßen beschwerlichen Einquatierungen und Kriegsdurchzügen der Gestalt in große Armut und Verderben gerathen, daß auch der größere Theil unter ihnen sich in solche Schuldenlast eingewickelt, daß ihr Kindes Kinder beschwerlich sich daraus explicieren werden können - und solches alles unter tröstlicher Zuversicht, daß besagtes Kriegswesen bald ein End nehmen und sie wiederum bei ihren geringen Häusern einpflanzen und ihren Weibern und Kindern die Habricht ? reserviren möchten. Es habe aber dies laufende Jahr sich zugetragen, daß ungeachtet allen vorigen Unglücks und Verderbniß zu verschiedenen Malen etliche ganze lothringische Regimenter bei ihnen logiert, das heu und Früchte mehrentheils alles Vieh, so sie angetroffen, hinweg genommen daß sie arme Supplikanten ins Gemein genöthigt worden, sich mit den wenig noch übrigen geringen Hausmobilien nach Bettingen ins Schloß und Flecken daselbst zu flüchten, und ob wohl sie daselbst sicher zu sein vermeinten, so wäre doch der Herr Graf Lingesnitte mit seinem Völkchen zu gefahren und genanntes Schloß und Flecken mit öffentlichen Waffen ganz feindlich überfallen, einen Theil desselben ins Feuer gesteckt und verbrannt; alles was daselbst gefunden ausgeplündert und hinweggeführt, sogar auf das sie den armen Leuten die Schuhe - salva venia - aus den Füßen genommen und sie allerdings nackend und blos gemacht, daß sie auch aller Hoffnung abermaliger Einpflanzung abgelegt. Jedoch durch Beistand anderer treuherziger Nachbarn wieder aufgemuntert und getröstet worden, daß sie wiederum auf Credit Rindbister und etliche wenige Pferde aquirirt und an sich gebracht, um die wenig im Feld übrige Frucht einzusammeln, worüber eine französische Partey am 14. September jüngst sie überfallen und genanntes auf Credit aufgenommene Bister abermalen hinweg genommen, in maßen das sie nunmehr aller Hoffnung beraubt und aus Mangel Pferde, Mann- und Weibspersonen zu gleicher Zeit Hand anlegen und die Eydt (Egge) ziehen müssen, und weil sie ihrer Herrschaft noch ausständig und schuldig, derowegen denn gedachte Supplikanten Bitt an ihre fürstliche Hoheit gelangen thut, es gewähr dieselbe in Erwägung als solcher ihrer Unmöglichkeit und Armut das Schaffgeld denen gnädigst zu erlassen willen möglichst fleiß sich dahin bearbeiten, die Früchte Gefälle zu liefern und zu entrichten und daneben Gott den Allmächtigen vor höchst gg. Hoheit und ganzer Posterität zeitliche und ewige Wohlthat zu bitten nicht unterlassen, darum thun sie ein sonderbares Werk der Barmherzigkeit."

Daraufhin erhalten die Oberweiser ein Antwortschreiben mit folgendem Inhalt:

"Nach Anhörung unseres Amtmannes und Rentmeisters Meinung und Gutdenken haben unsere getreuen Untersassen der Meierei Oberweis auf in dieser Supplikation angegebene Ursachen die Maienschafft und was sie sonst um selbige Zeit an Geld uns zu zahlen schuldig sind, vor ein Jahr nachgelassen" 1646
Maria Cleopha von Aremberg


Wie schwer Oberweis mitgenommen war, zeigen Notizen in Rechnungen der Herrschaft Neuerburg, worin davon gesprochen wird, dass 1654 zwanzig Vogteien verwüstet und verlassen seien, und 1674 wird erwähnt, dass das Dorf Oberweis durch einen feindlichen französischen Einfall ganz eingeäschert wurde und auch die Mühle verbrannt sei. Andere Berichte erzählen, dass Oberweis 1570 etwa 200 Kommunikanten hatte, 1659 nur noch 35. Zu allem Kriegselend war auch noch in den 30er und 60er Jahren die Pest hinzugekommen. 1657 gab es nur noch sieben Familien in Oberweis. Das waren: Meyer Hans, Tagelöhner; Ludwigs Lorenz,Leineweber; Storß Steffen, Meyer und Ackersmann;Zantes Hans, Wagener; Heyes Hans, Ackersmann; Hacken Fritz, Tagelöhner und Clauß Eva, Wittib.

Von 1714 bis 1794 war das Bitburger Land wieder Luxemburger Gebiet als Hausgut Österreichs, wie es auch schon vorher bis 1555 gewesen war - eine verhältnismäßig ruhige Zeit.


Oberweis unter französicher Besatzung                                  

1794 wurde unsere Gegend von den Franzosen erobert. Da das linke Rheinufer noch nicht offiziell an Frankreich abgetreten war, hörten die Unterdrückungen noch nicht auf. Im Gegenteil, die Franzosen hatten es nur auf Ausblutung des Landes abgesehen, und so zogen auch jetzt wieder Räuberbanden durch das Land.
Das änderte sich schlagartig, als im Jahre 1797 im Frieden zu Campo Formio die Gebiete an Frankreich formell abgetreten wurden. Nun wurde das Untertänigkeitsverhältnis zur Herrschaft abgeschafft, alle Abgaben wie "Zehnten", "Schaffgeld" usw. gab es nicht mehr. Allerdings brachen keine paradiesischen Zustände aus, denn Frankreich erhob Steuern: Grundsteuer, Personalsteuer, Fenstersteuer, Türsteuer, Mobiliarsteuer und Kriegssteuer. Die Leibeigenschaft gab es zwar nicht mehr, aber viel rosiger wurden die Zeiten auch nicht.
Bessere Zeiten gab es erst ab 1799, als Napoleon erster Konsul wurde und das Kurfürstentum Trier 1801 im "Frieden von Lüneville" mit der Republik vereinigt wurde. Die politische Aufteilung sah so aus, dass Oberweis nun zum Kanton Neuerburg gehörte, der Kanton Neuerburg zum Bezirk Bitburg und der Bezirk Bitburg zum Departement der Wälder. Bis zum Wiener Kongress 1815 blieb das so.
Die Oberweiser Gemeinde hatte zu dieser Zeit etwa 4000 Morgen Land, so steht es in der Chronik von Paul Thielen, Land, was nun Dank der napoleonischen Gesetzgebung, dem sogenannten "Code Civile", 20 bis 25 Oberweiser Familien unter sich aufteilten. Seit dieser Zeit hat die Gemeinde keinen eigenen Landbesitz mehr, aus dem Einkünfte wie Pacht usw. bezogen werden konnte. In der genannten Chronik werden die Familiennamen wie folgt angegeben: Ludes, Schruden, Justen, Maisch, Storscht, Zwertes, Geden, Lingesch, Hacken, Kienen, Thelen, Zahns, Almaisch, Heches, Henkes, Fosen, Mitz, Thomes. Schiefesch, Schrenger, Berkes und Kos.
Vor dem "Code Civile" gab es die "Stockhäuser" oder "Stockgüter", die auf der alten, aus der Feudalzeit stammenden "Stockgüterverfassung" basierten. In Oberweis existierten lange Zeit 23 solcher Stockhäuser. Ob die zuvor genannten Namen mit diesen Stockhäusern identisch sind, ist nicht zu belegen aber anzunehmen.
Nach dem Stockrecht geht das Hofgut ungeteilt an das erstgeborene Kind der Familie über. Alles Land, alle Gebäulichkeiten mussten damals beim Haus verbleiben. Besitzer war der Grundherr; der Bauer besaß sein Anwesen in einer Art Erbpacht. Es durfte ohne Einwilligung des Grundherrn weder veräußert noch verändert werden. Am Ende der Feudalherrschaft gingen die Stöckgüter in den privatrechtlichen Besitz des Bauern über. Es galt jetzt die Realteilung, die die Ausstattung aller Kinder mit Grund und Boden ermöglichte. Allerdings war man auch nach 1804 noch immer bestrebt, das "Haus" möglichst ungeteilt zu übergeben. Diese Regelung verlangte oft größte persönliche Opfer der auf dem Hof gebliebenen unverheirateten Geschwister. Rechtlich wurde geteilt, aber in der Praxis blieb es bei der alten Erbregelung, denn nach dem Tod der Geschwister ging alles an den Hoferben zurück. Diese Tradition, d.h. diese "Stockhaus-Mentalität", ist zum Teil noch bis in die neueste Zeit erhalten geblieben.

Dann kamen, nach Beendigung der Freiheitskriege, die Preußen.
In der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war Napoleon besiegt worden. Am 6. April 1814 dankte er ab. Die Franzosen zogen sich in ihr angestammtes Territorium zurück. Die besetzten Gebiete u.a. links des Rheins mussten geräumt werden und wurden von den Preußen übernommen. Im Wiener Kongress 1815 wurden diese Regelungen festgeschrieben.

Oberweis wird preußisch


Ab jetzt steht für lange Zeit der Preußenadler über dem Land.

Die Eifel, die bisher als sehr rückständig angesehen wurde, sollte nun besseren Zeiten entgegengehen. Im Heimatkalender von 1997 schreibt Theo Büsch in seinem Aufsatz über die Eifel und ihre Bewohner:
"Die Versuche, die Eifel zu heben, beschränkten sich nach der Übernahme des Landes durch die Preußen zunächst auf die Einführung der allgemeinen Schulpflicht, den Bau guter Landstraßen - 1830 wurde z.B. die Provinzialstraße Wittlich/Vianden, die durch Oberweis führte, gebaut - und vor allem ausgedehnte Aufforstung der verödeten Landstriche."

Natürlich hat jetzt auch das preußische Militär das Sagen, und preußischer Drill und Schliff bringt "Schwung" ins Soldatenleben.

Der sogenannte "Preußenbaum", Tanne und Fichte, wurde eingeführt und angepflanzt.
Nach 1815 wurde der Kreis Bitburg gegründet, der zu Regierungsbezirk Trier in der preußischen Rheinprovinz gehörte. Die Dörfer Mülbach, Feilsdorf und Hoorhof gehörten zur Oberweiser Gemeinde (Amt Oberweis). Später wurden sie mit Baustert, Utscheid und Weidingen zusammen verwaltet. Der Sitz des Bürgermeisters war in einige Zeit in Weidingen und dann in Neuhaus. Bürgermeister Hermann, der bis 1871 das Amt innehatte, baute sich in Oberweis das "Amtshaus" und verlegte den Amtssitz um 1865 herum nach Oberweis. Etwa 1871 kaufte ihm sein Nachfolger Michel Linden das Gebäude ab und amtierte darin als Bürgermeister bis 1889. Er zog später nach Amerika, verkaufte aber vorher das Haus an seinen Nachfolger Bürgermeister Johann Baptist Faulhauer, der bis dahin im "Berkeshaus" residiert hatte. Bis zum Jahre 1918 arbeitete er hier und hatte das Gebäude inzwischen um zwei Räume vergrößert.


Die Zeit um 1880/90                                   

Zu dieser Zeit hatte Oberweis 78 bewohnte und drei unbewohnte Häuser, die sich auf zwei Ortsbereiche aufteilten. Die Prüm gab die natürliche Grenze zwischen den Ortsteilen "Polin" und "Dorf". Polin, mit wenigen Häusern, lag in der großen nach Süden sich öffnenden Schleife der 1830 erbauten Provinzialstraße Wittlich-Vianden, der heutigen B50. Im Süden war dieser Teil begrenzt von der "Kracht", heute "Groscht" oder offiziell Grabenstraße. Auf der anderen Prümseite, nördlich der Hauptstraße, (nur acht Häuser lagen südlich der Straße) befand sich die regelmäßige Anlage des Hauptortes.
Von der Provinzialstraße führten drei fast parallele Straßen nach Norden, die in der Straße Feilsdorf - Brecht mündeten, der heutigen Bachstraße. Diese drei Wege führten und führen noch heute die Namen Ober-, Mittel- und Untergasse. Die Untergasse wurde auch "Schlappergasse" genannt. Woher dieser Name kam, ist nicht bekannt. Eine weitere Ortsstraße ist die 1881/82 ausgebaute Straße nach Bettingen, die früher - laut Schulchronik - nur "ein armseliger Pfad war, welcher in dunklen Nächten, sowie bei schlechtem Wetter nicht zu passieren war."
Einzeln liegende Häuser waren die Vollmühle im Westen, der Burghof im Südosten und das Bethardhäuschen unterhalb des Waldes an der Provinzialstraße nach Bitburg gelegen. Rund um den Ort herum lagen Felder und Wälder. Die Gesamtausdehnung des Bannes betrug ca. 970 ha, davon 720 ha Ackerland und 250 ha Wald, alles in Privatbesitz, fast genauso wie heute.

Die soziale Struktur des Dorfes hatte sich im Laufe der Jahre gewaltig geändert. Gab es am Anfang des Jahrhunderts viele Großgrundbesitzer, so besaß 1880 nur noch ein Bauer, nämlich Johann Leonardy ein "Ackergut" von 75 ha. Die übrigen 32 Bauern besaßen nur Güter bis zu 25 ha und die waren zum Teil auch noch hoch verschuldet.
Eine Liste der Gewerbetreibenden aus Oberweis von 1889 zeigt, dass das Dorf sich völlig selbst versorgen konnte: Zu den 33 Bauern kamen 16 Tagelöhner und 30 Handwerker, sowie vier Beamte: Bürgermeister, Lehrer, Gendarm und Polizeidiener. Die Handwerker teilten sich auf in: 2 Schneider, 2 Näherinnen, 3 Schuster, 1 Leinenweber, 2 Wagner, 2 Schmiede, 1 Zimmermann, 1 Blaufärber, 1 Viktualienhändler, 2 Fuhrleute, 2 Maurer, 1 Strohdecker, 1 Steinhauer, 1 Mühlenbauer, 1 Holzhauer, 1 Schreiner, 2 Gastwirte, 1 Krämerin, 2 Müller und 1 Invalide.

1887 lebten in Oberweis etwa 460 Einwohner. Bei der Volkszählung 1890 hatte der Ort nur noch 446 Bewohner, davon 219 männliche und 227 weibliche Personen. In diesen drei Jahren waren fünf Familien nach Amerika ausgewandert. Schon in den Jahren davor waren etliche Oberweiser ausgewandert, sowie auch einige noch nach 1890. Welche Gründe vorlagen, ist nicht schwer zu erraten. Wirtschaftliche Not hier und die euphorisch beschriebenen Möglichkeiten in Amerika veranlassten viele, das "gelobte Land" aufzusuchen. Allerdings kursieren noch heutzutage allerlei Gerüchte über Oberweiser Zustände. Alkohol und Spielsucht sollen in Oberweis nicht unbekannt gewesen sein. So gab es im alten "Berkeshaus", das durch Häusertausch heute Pfarrhaus ist, damals eine Wirtschaft, wo Bauern und sogar Pastor und Lehrer ständig verkehrten und um hohe Einsätze spielten. Ein Bauer hatte z. B. dort sein halbes Haus durchgebracht.


Auswanderer nach Amerika

Hier eine Liste der bekannten Auswanderer, zusammengestellt nach Josef Mergen, Lehrer Altmeyer (Schulchronik) und Hubert Schaal (Familienbuch Oberweis):

1857 Tagelöhner Matthias Ehlenz, 41 J. mit seinen Kindern Michel und Nikolaus.
Ackerer Peter Ehr, 24 J. zu seinem Onkel Peter Ehr.
1867 Kleinackerer Michel Zahnen, 43 J. vom Burghof mit acht Kindern.
1868 Fuhrmann und Kleinackerer Mathias Schommer, 57 J. zu Angehörigen.
1871 Kellner Paul Elsen, 30 J.
Ackerer Nikolaus Sifferath, 25 J.
1872 Schneider Mathias Itzfeld, 25 J.
Wagnergeselle Peter Gillen, 25 J.
Ackerer Theodor Moos, 46 J. mit seiner Frau Maria Schier und 5 Kindern.
1873 Schreiner Nikolaus Ehlenz, 27 J.
1879 Ackerer Hubert Kranz, 29 J. vom Burghof, mit seinem Bruder Clemens.
1880 Wagner Peter Gillen, 34 J. nach Illinois.
Margaretha Frast, 25 J. Witwe von Georg Ehr mit 5 Kindern, drei Kinder waren schon früher ausgewandert.
1885 Schulamtsaspirant Johann Ludwig Mayer, 25 J. Der Vater war Lehrer in Oberweis.
Wagner Mathias Mertes, 26 J.
1886 Ackerer Johann Baatz 30 J. mit seiner Frau.
Paul Mayer, 17 J. zu seinem Bruder Johann Ludwig. Der Vater hatte sein Einverständnis gegeben.
1887 Apollonia Hauer 46 J. Witwe von Mathias Geisen, mit 3 Kindern
Schneider Peter Horn mit fünf Personen.
Fuhrmann Anton Mehr, mit Frau und drei Schwestern.
Schmied Mathias Schmidt mit zehn Personen
Witwe Christina Theis mit fünf Personen.
Johann Himpler, Sohn des Ackerers Johann Peter Himpler
Jakob Spartz, Sohn des Ackerers und Gastwirts Heinrich Spartz.
1890 Schmied Mathias Schmidt, 53 J. mit seiner Frau Elisabeth Neufeind und 9 Kindern nach Iowa.
1891 Franz Josef Mathias Linden, 18 J.
1892 Ackerer Franz Spartz, 22 J. nach Illinois, Bruder von Franz Spartz.


Einige Namen sind noch ohne genaue Angabe der Jahreszahl zu nennen, die aber im Zeitraum 1890-95 ausgewandert sind: Familie Hilarius Hilden mit sechs Kindern; Theodor Lonter; Philipp Dohm, Sohn der Witwe Maria Dohm; dann noch drei junge Leute: Johann Pick, Sohn des Viktualienhändlers Peter Pick, Mathias Zahnen und Paul Elsen, die später zurückkamen. Ebenfalls ausgewandert war der ehemalige Bürgermeister des Amtes Oberweis Michel Linden mit seiner elfköpfigen Familie.

 


Das Leben im Dorf um 1900                                  

Landwirtschaft und Viehzucht bestimmten das Leben aller Dorfbewohner. Den Groß- und Mittelbauern standen die "klaa Lett" gegenüber: Kleinbauern, Handwerker und Tagelöhner. Sie hatten etwas Land mit einer Kuh, ein paar Ziegen, Hühner, ein oder zwei Schweine, von denen eines für den Verkauf bestimmt war. Mühselig war es, das Viehfutter zu beschaffen. Frauen und Kinder gingen jeden Tag Grünzeug sammeln, was man "krädden" nannte. Allerdings durfte man nicht zu jeder Zeit überall hin, denn da gab es auch noch den Feldhüter, der u.a. darauf achtete, dass die Wiesen nur zu den erlaubten Zeiten betreten wurden. Zu seinen Aufgaben gehörte es auch, Wald, Felder und Weiden zu kontrollieren; er war so eine Art "Feldpolizei" und beamtet. Hier in Oberweis übte dieses Amt Jakob Dennenwaldt aus, ein geachteter und gefürchteter Mann. Er war als sehr genau und streng bekannt. Sein Sohn Matthias folgte ihm in diesem Amt nach. Sein Amtsbereich umfasste neben Oberweis die Ortschaften Baustert, Mülbach und Feilsdorf. Allerdings übte er mehr die Funktion eines Gemeindedieners aus, ging mit der Schelle durchs Dorf und verlas amtliche Bekanntmachungen. Als "Desinfektor" war er vom Gesundheitsamt beauftragt, Häuser nach bestimmten Krankheiten zu desinfizieren. Sein Amt als Gemeindediener versah nach ihm Karl Keilen, genannt "Volla Karel".


Die Lebensverhältnisse waren bei allen Dorfbewohnern sehr bescheiden. Man kannte z.B. im Winter keine Mäntel; so trug man lediglich wärmere Kleidung aus "Tirtig", einem Wolle-Leinen-Gemisch. Kopftücher und Schals schützten vor der größten Kälte. Die Kinder hatten ein Paar genagelte Schuhe, die auf Zuwachs gemacht worden waren, damit sie auch lange getragen werden konnten. War Geld vorhanden, so wurde es für besondere Zeiten gespart, so dass man bei Hochzeiten, Kindtaufen und anderen notwendigen Festen standesgemäß auftreten konnte.
Auch die Einrichtung der Häuser war sehr einfach. In der Wohnstube befanden sich ein großer Tisch, unter dem sich der Backtrog befand, ein paar Stühle, eine Bank und ein Wandschrank mit einer Takenplatte an der Wand zur Küche. Auf der Küchenseite stand an dieser Wand meist der Kochherd, so dass die Platte dadurch geheizt wurde und etwas Wärme in die Stube abstrahlte. Die Küche war hauptsächlich eine Kochküche. Beim Herd stand häufig ein sogenannter Futterkessel, in dem das Viehfutter gekocht wurde. Der halbrund nach außen gemauerte Backofen war auch hier in der Nähe des Kamins. In vielen Häusern bestand ein Teil der Küchendecke aus Brettern, die man zur Seite schieben konnte, um in die darüberliegende Räucherkammer zu gelangen. Die Böden der Küchen waren mit Sandsteinplatten ausgelegt. Kam man zur Haustür hinein, stand man oft bereits in der kleinen verräucherten "Flurküche". Man schlief in den Betten auf Matratzen, die mit Stroh und Haferstreu ausgestopft waren. Besser ausgestattet waren die Häuser der sogenannten "dicken Bauern". Hier gab es auch eine zweite Stube, in der an den Kirmestagen die Festtafel gedeckt wurde.

Wie in der ganzen Gegend so wurde auch in Oberweis von den Menschen hauptsächlich Tauschhandel betrieben. Das, was man erübrigen konnte, z.B. Butter und Eier, nahm man mit ins Geschäft und handelte dafür andere Güter ein. Allerdings wurde dieser Handel stark eingeschränkt, als 1894 eine Molkerei-Genossenschaft im Dorf gegründet wurde. Die Milch wurde bei den Bauern jetzt abgeholt und mittels einer Zentrifuge entrahmt. Die Magermilch ging an den Hof zurück. Nach anfänglicher Skepsis akzeptierte man die Genossenschaft, zumal man jetzt bessere Butterpreise erzielen konnte. Der erste Direktor der Genossenschaft war Paul Dohm, sein Stellvertreter Heinrich Himpler. Im Aufsichtsrat saßen Mathias Thielen, Mathias Baatz und Johann Sifferath. Die erste Meierin hieß Katharina Endres. Als Molkereigebäude wurde ein Teil der Gemeindescheune neben der Lehrerwohnung eingerichtet. Für die Qualität ihrer Erzeugnisse erhielt die Molkerei mehrere Preise.
Die Oberweiser führten ein einfaches Leben, ohne besondere Vergnügungen bis auf das Feiern der Kirmes, die zu Ehren des St. Remigius am ersten Oktoberwochenende gefeiert wurde und auch noch heute gefeiert wird. Hier wurde geschwelgt und aufgetragen, was das Haus zu bieten hatte. Ein Zitat aus der Chronik:: " Ja ich möchte behaupten, daß die Auslagen, welche die Leute dabei machen, zu den Einnahmen und den Vermögensverhältnissen der Ortsbewohner in einem großen Mißverhältnis stehen und dieselben weit überschreiten."


Der Tournickel (von Werner Bertrang)                                  

Woher das Wort stammt, weiß niemand. Es ist da und für viele Westeifeler ein fester Begriff. Das mit dem Wort verbundene Spielgerät war Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang auf unseren Kirmesplätzen zu Hause. Heutzutage ist es antik und als Glücksspiel verboten. Das Wort "Tournickel" ist für ältere Menschen ein Reizwort geblieben und mancherlei Geschichten geben Zeugnis von dem "Hexenspiel".
Der Tournickel fehlte nie am Kirmessonntag. Man stellte ihn auf und zwar vor die Dorfwirtschaft und dann begann das Spiel. (In Oberweis stand er immer vor "Rinnens".) Das Spiel war für geld- und spielhungrige Männer bestimmt. Frauen wagten sich nicht in die Nähe der Spielrunde. Und Fremden schien die Atmosphäre um den Tournickel irgendwie seltsam - ja fast magisch.
Und wenn der Besitzer Sch. Mit dem Tournickel eintraf, so ging der Satz: "Sch. as matt demm Tournickel doa!" wie ein Lauffeuer durchs Dorf. Die Hauptkegler eilten herbei, grüßten Sch. wortkarg und fragten interessiert: "Watt kennt bei?" Dann wurde "getournickelt" von Kirmessonntag 12 Uhr bis montags abends. Der Einsatz lag im 19. Jahrhundert bei einem Groschen; in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg bei fünf Groschen. Noch einige Kegler erinnern sich an die Millionen- und Billioneneinsätze in der inflationären Zeit von 1923-1924. Auf jeden Fall hörte das Spiel nie auf. In den dreißiger Jahren steigerte sich das Spielkapital (pro Spiel) oft auf über fünfhundert Mark. Mancher Wochen- und Monatslohn eines Arbeiters ging dabei verloren und die Familie musste darben.
Die Spannung um den Tournickel war immer groß und jeder Mitspieler schaute gebannt in das seltsame Rund mit den fünf Kegeln am Boden. Die Kugel wurde am oberen Rand des Trichters angeschoben, trudelte kreisend nach unten und warf die Kegel je nach Lauf ganz oder teilweise um. Das Anfassen des Gerätes - während die Kugel rollte - war verboten. Geschah es dennoch, so musste die Kugel neu an der Bande angesetzt werden. Manche Kegler glaubten, man müsse die Kugel anspucken, um ihr so eine magische Kraft oder gar mehr Schwung zu verleihen. Die Spieler wünschten sich natürlich ein totales Abräumen - nämlich fünf Kegel.
Das kam selten vor und war zu diesem Zeitpunkt das Kapital besonders hoch, so sprach man von dem großen Kirmesereignis. Oft wurden auch während des Spieles Wetten abgeschlossen. Hier am Tournickel gan es allerlei sprachschöpferische Ausdrücke, die für Nichteifeler unverständlich und von den Eifelern besser nicht in Hochdeutsch übersetzt werden sollten. Streitigkeiten, die um den Tournickel auftraten, wurden von Sch. Geschlichtet. War aber dieser oder jener nicht mit dem Schiedsspruch einverstanden, so wurde der Tournickel, wenn Sch. Eine Bierpause einlegte, entführt. So fischte man einmal den Tournickel nach den Kirmestagen aus der Prüm unterhalb von Wißmannsdorf. In Baustert hing er zur Freude der Kirchgänger an der Spitze des Telefonmastes, der in der Nähe des Gotteshauses stand.
Heutzutage spricht man noch gerne über den Tournickel und seinen Betreuer Sch. Und wir fragen uns oft, warum und wer dieses Spiel mit dem Tournickel auf die Verbotsliste der Glücksspiele eingereiht hat. Kam dieses Verbot von den Tournickelgeschädigten oder gar vom Fiskus? So ist die heutige Zeit um eine echte eifeler Attraktion ärmer geworden.

Zwei weitere Feste gab es noch: Zum einen das Fest des "Süßen Namens Jesu", das am zweiten Sonntag nach Pfingsten begangen wurde und zum anderen am 3. Mai das Fest "Kreuzerfindung". Diese beiden Feste, die früher fast so wie die Kirmes gefeiert wurden, verloren aber immer mehr an Bedeutung und sind heutzutage ganz unbekannt.

Bei diesen und anderen Festen bewährte sich das System der Nachbarschaften, welches das Dorf in viele kleine Gemeinschaften unterteilte. Jedes Haus hatte eine fetststehende Anzahl von Nachbarn, die einander zu Hilfeleistungen verpflichtet waren, sei es bei Geburt, Tod, Hochzeit oder ähnlichem. Auf die Hilfe der Nachbarn konnte man sich verlassen. Man " lief viel mehr durcheinander" als es heute üblich ist. So war es durchaus normal, das Nachbars Kinder mit im Haus aßen und ihren festen Platz am Tisch hatten. Abgesehen von wenigen Änderungen besteht die Nachbarschaft bei den alten Häusern auch noch heute als wesentliches Element des Dorflebens. Allerdings können nur Hausbesitzer Nachbarn sein. Hatte man ein neues Haus gebaut, so fragte man in den umliegenden Häusern, ob sie Nachbarschaft annehmen wollen. Man lud zum Kaffee ein; wer die Einladung annahm, akzeptierte die Nachbarschaft. Wurde man dann später von anderen Neubürgern gefragt, konnte sich eine ansehnliche Anzahl von Nachbarn zusammenfinden.
Tanzvergnügungen gab es seit 1885 nicht mehr. Die bereits erwähnten Wirtshausbesuche der Männer schienen auch nachgelassen zu haben. Man war wieder nüchtern geworden bis auf drei oder vier "Gelegenheitstrinkern".
Bei seinem Dienstantritt 1887 wunderte sich Lehrer Altmeyer über die schlichte Kleidung der Dörfler. Er beschreibt sie so:
"Mädchen, Männer und Jünglinge trugen an gewöhnlichen Sonntagen fast ausschließlich Kleider von sogenanntem Zeug, ein Gewebe aus Leinen und Baumwolle, einfarbig oder blau und weiß carriert, welches die Leute meist in ihren Häusern anfertigen ließen. Hüte kannten die Mädchen und Frauen kaum. Daß die Bewohner von Oberweis diese einfache ländliche Tracht noch immer beibehielten, während man in benachbarten Orten in dieser Hinsicht schon weiter fortgeschritten war und immer mehr die städtischen Moden nachahmte, ist hauptsächlich als Verdienst des damaligen Pfarrverwalters, Herrn Orth, zu verzeichnen. Er hatte den Mädchen und Frauen Hüte mit bunten Sträußen verboten, und wehe der Frauensperson, welche mit einem solchen an der Kommunionbank erschien, sie wurde bei der Austeilung des heiligsten Sakramentes überschlagen. Als aber genannter Herr uns verlassen hatte, ging es hier wie in anderen Orten der Nachbarschaft..."

Man sieht also, die ausschließlich katholische Bevölkerung hörte auf das Wort ihres Seelsorgers. Aber nur so lange, wie er zugegen war! Das soll aber nicht heißen, dass die Bevölkerung nicht fromm und christlich gewesen wäre.

 


Neubau der Oberweiser Kirche                                  

Schon lange erwies sich die Pfarrkirche für ihre 340 Kommunikanten als zu klein, und man beabsichtigte, die alte Kirche zu vergrößern. Allerdings war das mit großen Schwierigkeiten verbunden, denn es stellte sich heraus, dass die Mauern der Kirche in einem sehr schlechten Zustand waren. So entschloss man sich unter Pfarrer Hensel, hinter der alten Kirche eine neue zu bauen. Da man auf einen Kostenvoranschlag von 28000,- Mark kam und die Kirche nur einen kleinen Baufond von 500,- Mark hatte, musste das fehlende Geld durch "milde Gaben" aufgebracht werden, was die Oberweiser auch fertig brachten. Die Pläne hatte der Architekt Kleesattel aus Düsseldorf aufgestellt, und die Bauausführung lag in den Händen des Bauunternehmers Marx aus Koosbüsch. Grundsteinlegung war am 6. Juli 1897. Der Grundstein mit einer in einer Flasche verschlossenen Urkunde wurde in die rechte Seite des Hochaltares eingelegt. Diese Bauurkunde enthielt (Zitat aus der Schulchronik):
"die Namen der kirchlichen und weltlichen Herrscher und Behörden, unter denen die Kirche erbaut wurde, den Namen des Baumeisters, welcher den Plan entworfen, den Namen des Bauunternehmers und die Namen der Arbeiter, welche an dem Bau thätig waren."
Die meisten Bauarbeiter kamen aus Bettingen, aus Oberweis selbst haben nur zwei Personen mitgebaut und zwar Franz Trost und Nikolaus Bales.
Am 31. August 1898 fand die Einsegnung der neuen Kirche statt. Der neue Hochaltar aus der Werkstatt des Altarbauers Mühlenbrock aus Trier war auch bereits eingetroffen. (für ca. 3000,- Mark mit Unterbau) Die eigentliche Kirchenweihe mit Weihbischof Schrod aus Trier, der als Reliquien Gebeine trierischer Märtyrer und von einem gewissen heiligen Julianus mitbrachte, fand erst am 17. Juli 1899 statt.
Die alte Kirche war im Winter 1897/98 abgerissen worden. Sie hatte in der Mitte des jetzigen Kirchhofes gestanden, mit dem Chor nach Osten. Das Bußkreuz des Kichhofes, das zum Andenken an die alte Kirche errichtet worden war, bezeichnet die Stelle, bis zu der der Chor der Kirche reichte.
Noch während der Bauplanung ließ Pfarrer Hensel in der Glockengießerei Pfeifer in Kaiserslautern zwei neue Glocken ( 350 und 650 kg schwer) gießen, finanziert ebenfalls aus "milden Gaben" der Gemeinde. Eine Glocke war dem "heiligsten Herzen Jesu", die andere Glocke "dem heiligsten Herzen Maria" gewidmet. Am 11. April 1897 wurden diese Glocken vom Bischof Dr. Michael Felix Korum aus Trier geweiht. Paten waren der Bürgermeister Johann Baptist Faulhauer und seine Frau Maria Arnoldy; somit hieß die große Glocke Johann Baptista und die kleine Glocke Maria. Als Nebenpaten waren der ganze Kirchenchor und sämtliche Jungfrauen des Dorfes, die die Altartücher angefertigt hatten, hinzugezogen worden. Nach vollzogener Konsekration schlug jeder Pate und jede Patin einmal an die Glocken und gab ein Patengeschenk.

Im Jahre 1900, am 4. November, stifteten Oberweiser "Jünglinge" eine Gedenktafel zu Ehren des am 18. 06. 1900 in der Schlacht bei Langfang in China gefallenen Matrosen Jakob Baatz. Als diese Stiftung an "höchster Stelle" gemeldet wurde, ließ der deutsche Kaiser Wilhelm II antworten, "daß es ihm wohl gethan habe, zu hören, wie Oberweis das Andenken an den gefallenen Helden Baatz ehre."

 


Die letzten einhundert Jahre

Das Leben in der ersten Hälfte dieser letzten einhundert Jahre wurde bestimmt durch die zwei großen Weltkriege 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945.
Schon lange vor dem ersten Weltkrieg prägte vaterländisches Gedankengut die Gesinnung der Menschen nicht nur in Oberweis, sondern im ganzen deutschen "Vaterland". Man gründete Kriegervereine, weihte deren Fahnen, feierte Krieger-verbandsfeste mit großem Gepränge und verherrlichte Uniformen und militärische Orden- und Ehrenzeichen.

In den Schulen wurde in jedem Jahr der "glorreiche Sieg bei Sedan" gefeiert, ebenso wie die "einmütige Erhebung Preußens" im Jahre 1813 und die zu diesem Zeitpunkt erfolgte Stiftung des "eisernen Kreuzes" - und jede Feier endete mit einem "Hoch auf unser liebes Vaterland und einem Hurrah für seine Majestät, unser allergnädigster Kaiser und König". (Schulchronik)
Mit dem Fürstenmord in Sarajewo am 28. Juni 1914 - der österreichische Kronprinz Erzherzog Franz Ferdinand war von serbischen Nationalisten ermordet worden - brach der erste Weltkrieg aus.


Im ersten Weltkrieg 1914 - 1918                               

Am 1. August 1914 abends wurde die Mobilmachung erklärt. Die ersten Oberweiser, die sich in Holsthum melden mussten, waren die Landwehrleute II. Aufgebots Johann Becker, Anton Zender und Andreas Keilen. Sie wurden als Grenzwachen eingeteilt. Am 2. August mussten sich alle übrigen Landwehrleute in Sinspelt stellen. Dort wurden sie eingekleidet, bewaffnet und zur Bewachung für ein Jahr an die luxemburgische Grenze geschickt. Danach wurden viele dieser Soldaten zum Eintritt an die Front ausgemustert. Ebenso mussten sich Reservisten und Landwehrleute I. Aufgebots bereits am ersten Mobilmachungstag in Trier melden. In der Schulchronik schreibt Lehrer Altmeyer:
"Es machte an dem bezeichneten ersten Mobilmachungstage, einem Sonntage, einen wehmütigen Eindruck, als diese Leute, welche sich schon am frühen Morgen durch den Empfang der heiligen Sakramente auf ihren Weggang vorbereitet hatten, vor, während und nach dem Hochamte mit ihrem Ranzen bepackt, das Heimatdorf verließen, nicht wissend, was ihrer harrte."


Am 4. August trafen schon die ersten Einquartierungen ein, Garde-Kürassiere. Das ging die nächsten vierzehn Tage so weiter. Das Garde-Corps und alle sächsischen Regimenter zogen durch das Eifelgebiet, um gegen die westlichen Feinde zu kämpfen. An manchen Tagen waren bis zu 1500 Menschen hier einquartiert, d.h. sie waren zu verpflegen. Es muss in diesem August sehr heiß gewesen sein, denn die Schulchronik berichtet von einem Soldaten des sächsischen Infatrieregimentes Nr. 133, der auf dem Durchmarsch infolge zu großer Anstrengungen und Hitze an einem Hitzschlag gestorben ist. Er wurde am 13. August hier auf dem Kirchhof bestattet. Man hatte ihm später ein Denkmal gesetzt mit folgender Inschrift:
"Hier ruht in Gott, fern von der Heimat Soldat Johannes Walter, Inf. Rgt. Nr. 133 - 10. Comp. aus Crottendorf. Er erlitt am 12. August 1914 infolge Hitzschlag den Heldentod fürs Vaterland. Gewidmet von seinen Eltern und Braut."
Ein zweiter Soldat, Unteroffizier Lehrer Grotzki aus Schwarzenberg in Sachsen, der ebenfalls einen Hitzschlag erlitten hatte, wurde im "neuen" Dennenwaldschen Haus gesund gepflegt.

Das ganze Leben im Dorf richtete sich nach den durchziehenden Truppen. Es wurden strenge Kontrollen durchgeführt, denn man befand sich ja nahe am Feindesland. So konnte es durchaus passieren, dass Bauern, die von der Feldarbeit nach Hause gehen wollten und sich natürlich nicht ausweisen konnten, stundenlang von den Wachsoldaten festgehalten wurden, bis sie sich legitimieren konnten. Angst vor Spionage führte zu manchen absurden Begebenheiten. Einmal, als das Grab des Soldaten Walter bei der Dunkelheit ausgehoben wurde und der Schein der mitgebrachten Lampen auf die Kirche fiel, glaubte ein Offizier, aus dem Pfarrhaus würden Signale gesandt. Er durchsuchte das Pfarrhaus nach Spionen und machte sich natürlich lächerlich. Ein anderes Mal soll ein weiblicher Spion einen Soldaten angeschossen haben. Bei Untersuchungen stellte sich heraus, dass der Soldat sich selbst verletzt hatte. Er musste sich vor dem Kriegsgericht dafür verantworten.
So nach und nach wurden den Bauern die Pferde vom Militär abgekauft. Die Chronik Thielen von der Vollmühle berichtet, dass es zu großen Schwierigkeiten bei der Ernteeinbringung kam. Hinzu kamen Verordnungen der Regierung, die besagten, dass die Frucht beschlagnamt wurde und der Bauer für seine Familie eine Mahlkarte bekam. Für jedes Familienmitglied standen ihm 18 Pfund Brotfrucht zu, die er zur Mühle bringen durfte. Das Getreide musste zu 82 % ausgemahlen werden, was bedeutete, dass es nur Schwarzbrot gab. Im Übertretungsfalle drohten schwere Strafen. Später um 1918 herum musste das Getreide auf 94 % ausgemahlen werden, und man aß nur noch Schrotbrot. Einwohner, die keine Frucht hatten, bekamen Brotkarten, auf denen sie pro Kopf täglich 200 Gramm Mehl oder 250 Gramm Brot kaufen konnten. Bis 1923 blieben diese Verordnungen bestehen. Alle wichtigen Lebensmittel und Bedarfsartikel unterlagen einer Zwangswirtschaft. So gab es Kartoffeln, Fleisch, Milch, Butter und Petroleum nur gegen Karten. Alle Produkte, die früher aus dem Ausland kamen, Kaffee, Mais, Reis und Colonialwaren, gab es nicht mehr.
Beim Rückmarsch der Truppen hatten die Dörfler wieder stark unter Einquartierungen zu leiden. Ab 1. Dezember 1918 kamen die Amerikaner in großen Trupps durchs Dorf, ebenso französische Infanterie, die die Gegend hier besetzten und untergebracht werden mussten. "Alles ganz anständige Leute", schreibt Paul Thielen in seiner Chronik. Mitte 1919 waren die Besatzungstruppn aus Oberweis verschwunden.
Abgesehen von etlichen Einschränkungen ging das Leben im Dorf fast seinen gewohnten Gang. Die Schulkinder bekamen in den ersten Kriegswochen die sogenannten Kriegsferien, dann nahm der Schulbetrieb seine reguläre Arbeit wieder auf, bis auf den Halbtagsunterricht in den Sommermonaten, damit die Kinder auf den Feldern helfen konnten. Die Väter kämpften ja für "Volk und Vaterland"! Kaisers Geburtstag wurde wie bisher gefeiert mit vaterländischen Liedern und Gedichten, allerdings gab es keine "Kaiserwecken" mehr, weil das Brot rationiert war und - so die Schulchronik - "....soll der Plan der Engländer, uns auszuhungern, nicht seine Verwirklichung finden."
Im Mai 1915 wurden sogar neue Schulsäle für 19000,- Mark - die Gemeinde musste 3-4000 Mark dazuzahlen - gebaut und feierlich eingesegnet. Der alte Schulsaal diente fortan als Kriegskornlager.
Erst im Schuljahr 1918/19 kam es auch im Schulbetrieb zu erheblichen Einschränkungen, weil die Schüler sehr häufig in der Landwirtschaft arbeiten mussten. Es wurden viele Beurlaubungen ausgesprochen, weil es zu mehr Erkrankungen kam, als in den Friedenszeiten. So herrschte in den Monaten Oktober und November Grippe und Keuchhusten unter den Kindern. Fehlendes Schuhwerk verhinderte bei schlechtem Wetter ebenfalls den Schulbesuch, oder die Schulsäle waren belegt von Besatzungstruppen.

Namensliste der Kriegsteilnehmer und der Gefallenen von 1914 - 1918
(Namen und Texte zu diesem Abschnitt sind wörtlich der Schulchronik des Lehrers Altmeyer entnommen.)


"Als der Krieg ausbrach, standen aus hiesigem Orte, um ihrer Militärpflicht zu genügen, beim aktiven Heere:
1. Kritten Michel, Stiefsohn von Michel Pick
2. Weinandy Wilhelm, Sohn von Johann Weinandy
3. Betzen Nikolaus, Sohn von Peter Betzen I.
4. Esch Johann, Sohn von Jakob Esch
5. Pick Peter, Sohn von Nikolaus Pick
6. Büchel Michel, Sohn von Michel Büchel
7. Bollendorf Nikolaus, Sohn von Johann Bollendorf

Im ersten Kriegsjahr vom 1. August 1914 bis Ende Juli 1915 wurden zum Kreigsdienste eingezogen:
8. Hecker Mathias, Ehemann von Susanna Wägner - dieser war vor dem Krieg
auswärts.
9. Franzen Adam, Ehemann von Luzia Hecker
10. Nösges Johann, Ehemann von Katharina Willems
11. Mayer Franz, Ehemann von Anna Baatz
12. Pöppelreiter Matthias, Ehemann von A. Maria Becker
13. Mertes Wilhelm, Witwer von Elise Thielen
14. Betzen Peter, Ehemann von Anna Mittermüller - war vor dem Krieg als Breifträger in
Dillingen angestellt.
15. Hecker Berhard, Ehemann von Katharina Hecker
16. Baatz Christian, Ehemann von Magdalena März
17. Betzen Matthias, Ehemann von Susanna Geisen
18. Weis Matthias, Ehemann von Gertrud Mayer
19. Betzen Peter, Ehemann von Maria Moos
20. Zender Anton, Ehemann von Maria Burelbach
21. Büchel Johann I., Ehemann von Katharina Spartz
22. Thielen, Aloys, Ehemann von Katharina Mayer - war vor dem Kriege als Postbote in
Trier angestellt.
23. Röder Johann, Ehemann von Katharina Portner
24. Becker Matthias, Ehemann von Maria Friedrich
25. Keilen Andreas, Ehemann von Maria Schaak
26. Schaak Nikolaus, Ehemann von Apollonia Leisen
27. Portner Johann Peter, Ehemann von Gertrud Becker
28. Friedrichs Heinrich, Polizeidiener hierselbst
29. Ixfeld Michael, Sohn von Matthias Ixfeld
30. Ixfeld Matthias, Sohn von Matthias Ixfeld
31. Nösges Paul, Sohn von Simon Nösges
32. Nösges Gregor, dto
33. Nösges Matthias, dto
34. Friedrichs Johann Georg, Sohn von Matthias Friedrichs
35. Friedrichs Nikolaus, dto
36. Friedrichs Matthias, dto
37. Himpler Peter, Sohn von Heinrich Himpler
38. Himpler Nikolaus, dto
39. Himpler Matthias, dto
40. Baatz Heinrich, Sohn von Matthias Baatz, Wirt
41. Becker Johann, Sohn von Nikolaus Becker
42. Leisen Peter, Sohn von Johann Leisen
43. Weinandy Christoph, Sohn von Johann Weinandy
44. Mertes Johann I., Sohn von Nikolaus Mertes
45. Mertes Johann II., dto
46. Mertes Matthias, dto
47. Betzen Matthias I., Sohn von Peter Betzen I.
48. Betzen Matthias II., dto
49. Klinkert Johann, Sohn von Johann Simon Klinkert
50. Reiter Wilhelm, Sohn von Wilhelm Reiter
51. Theis Johann, Sohn von Witwe Philipp Theis
52. Hecker Michel, Sohn von Matthias Hecker
53. Hecker Leonard, Sohn von Johann Hecker
54. Hecker Johann, dto
55. Weis Jakob, Sohn von Peter Jakob Weis
56. Hilden Wilhelm, Sohn von Leonard Hilden
57. Gillen Matthias, Sohn von Nikolaus Gillen
58. Pick Matthias, Sohn von Matthias Pick
59. Zender Matthias, Sohn von Witwe Matthias Zender
60. Büchel johann II., Sohn von Michel büchel
61. Trost Johann, Sohn von Franz Trost
62. Trost Nikolaus, dto
63. Bales Johann, Sohn von Nikolaus Bales
64. Kauth Mattias Lorenz, Sohn von Theodor Kauth - Briefträger in Sülm.
65. Kauth Nikolaus, Sohn von Matthias Kauth
66. Kranz Philipp, Sohn von Witwe Gerhard Kranz zu Burghof
67. Kranz Michel, dto
68. Tholl Paul, Krämer hierselbst
69. Hau Georg, Witwer von Maria Arens
70. Pesch Peter, Ehemann von Anna Schares
Die beiden letzten wurden bald nach ihrer Einberufung krankheitshalber wieder entlassen. Von diesen 70 Kriegsteilnehmern starben im ersten Kriegsjahre den Heldentod fürs Vaterland:
1. Der unter Nr. 50 aufgeführte Wilhelm Reiter, Gefreiter im Infanterie-Regiment Nr. 69.
Derselbe starb am 23. August 1914 bei Uternon vor Namur in Belgien im Alter von 23
Jahren. Er hatte einen Knieschuss erhalten, und während er damit beschäftigt war, die
Wunde zu verbinden, erhielt er einen Brustschuss, welcher die Ursache seines Todes
war.
2. Der unter Nr. 9 aufgeführte Adam Franzen, Wehrmann des Reserve-Infantrie-Regiments Nr. 69. Dieser fiel am 10. September 1914 bei Dombry in Frankreich im Alter von 32 Jahren infolge eines Kopfschusses.
3. Der unter Nr. 12 aufgeführte Matthias Pöppelreiter, welcher neben dem genannten Franzen kämpfte und am 26. September, also 16 Tage später, bei Rouvroi in Frankreich fiel, und zwar infolge eines Granatschusses. Eine Wunde zeigte die Leiche nicht, der Luftdruck hat also wohl dem Leben des tapferen Wehrmannes ein Ende gesetzt. Er war wie sein Nebenmann 32 Jahre alt.
4. Der unter Nr. 5 aufgeführte Peter Pick, Gefreiter im 2. Unterelsäßischen Feldartellerie-Regiment Nr. 67, Ordonanz im Abteilungsstab 2. Er starb am 20. November 1914 bei Hattencour/Nordfrankreich im Alter von 22 Jahren. Seine Beförderung zum Unteroffizier und Auszeichnung mit dem Eisernen Kreuz waren laut Mitteilung seiner Vorgesetzten in Aussicht genommen. In einem Feldpferdestalle traf ihn tödlich ein Granatsplitter, während er mit Anschirren der Pferde beschäftigt war.
5. Der unter Nr. 64 aufgeführte Matthias Lorenz Kauth, Bräutigam von Susanna Reiter, einer Schwester des unter Nr. 1 Gefallenen. (Jetzt Ehefrau des A. Balmes.) Er war Gefreiter des Infanterie-Regiments Nr. 204 und erlitt den Heldentod am 28. April 1915 in einem Walde bei Langenmark in der Nähe von Ypern infolge eines Kopfschusses im Alter von 26 Jahren.
6. Der unter Nr.34 aufgeführte Johann Georg Friedrichs, Ersatzreservist des Infanterei-Regimentes Nr. 136. Er erlitt den Heldentod am 23. Mai 1915, am heiligen Pfingstfeste, im Alter von 26 Jahren, auch infolge eines Kopfschusses bei Arras.
7. Dessen unter Nr. 36 aufgeführten jüngerer Bruder Matthias Friedrichs, Scharfschütze im Infanterie-Regiment Nr. 25. Dieser fiel en seinem 3. Kampftage am 17. Juni 1915 im Alter von 21 Jahren vor Souchez bei Arras. Er hatte auch wie sein vorbezeichneter Bruder einen Kopfschuss erhalten.

In der Zeit vom 1. August 1915 bis Ende des Jahres 1916 wurden weiter zum Kreigsdienste einberufen.

71. Bollendorf Wilhelm, Ehemann von Susanna Liesch
72. Mayer Matthias, Ehemann von Margret Hilden
73. Homes Peter, Schmied, Ehemann Katharina Leisen
74. Stockemer Peter, Ehemann von Hebamme Barbara Simmet
75. Högner Michael, Ehemann von Katharina Endres
76. Zewen Jakob, Wagner, Ehemann von Maria Thielen
77. Zewen Maternus, Sohn des unter Nr. 76 genannten Jakob Zewen
78. Becker Philipp Jakob, Sohn von Schreiner Jakob Becker
79. Geisen Nikolaus, Sohn von Jakob Geisen
80. Altmeyer Joseph Matthias, Sohn von Lehrer Matthias Altmeyer
81. Weinandy Matthias, Sohn von Johann Weinandy
82. Betzen Aloys, 5. Sohn von Peter Betzen, siehe Nr. 3, 14, 47, 48.
83. Theis Leonard, Sohn von Witwe Philipp Theis
84. Hecker Matthias, Sohn von Witwe Matthias Hecker
85. Hecker Jakob, Sohn von Johann Hecker
86. Esch Michael, Sohn von jakob Esch
87. Sachsen-Mayer Jakob, Krämer, Sohn von Witwe Matthias Mayer
88. Pick Simon Peter, Sohn von Nikolaus Pick
89. Pick Michael, - dto
90. Pick Johann, - dto - , Brüder des gefallenen Peter Pick und des unter Nr. 58 genannten Matthias pick.
91. Pick Johann, Sohn von Peter Pick und Oheim der oben genannten Brüder Pick.
92. Leonardy Johann, Sohn von Leonard Leonardy
93. Kauth Nikolaus
94. Kauth Peter, Söhne von Matthias Kauth und Stiefbrüder des gefallenen Matthias Lorenz Kauth
95. Lonter Nikolaus, Sohn von Michel Lonter

Den sieben im ersten Kriegsjahre gefallenen Kriegern gesellen sich zu:

8. Der unter Nr. 80 aufgeführte Joseph Mattias Altmeyer. Er fiel in der großen Schlacht an der Somme bei Morval am 16. September 1916, morgens um 8.15 Uhr infolge eines Kopfschusses durch Granatsplitter. Die Leiche wurde eingesargt und auf dem deutschen Kriegerfriedhofe zu Sorel le Grand beerdigt. Das Grab trägt die Nummer 225. Der Gefallene war Kanonier im Feldartellerie-Regiment Nr. 185.
9. Der unter Nr. 54 genannte Johann Hecker, Sohn von Zimmermann Johann Hecker, Gefreiter der 13. Companie des 5. westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 148. Er fiel in den Kämpfen an der Aisne und in der Champagne am 29. Mai 1917 infolge Krepierens eines verscharrten Blindgängers. Seine Grabstätte befindet sich am Südostende des Winterberges bei Craonne.

In den beiden letzten Kriegsjahren 1917 und 1918 wurden aus unserem Orte noch zum Heeresdienste einberufen:

96. Faulhauer Matthias, Sohn von Bürgermeister Johann Baptist Faulhauer
97. Baatz Jakob, Sohn von Gastwirt Matthias Baatz
98. Weinandy Johann, Sohn von Johann Weinandy
99. Mertes Nikolaus, 5. kriegsteilnehmender Sohn des Kriegsveteranen 1870/71
Nikolaus Mertes.
100. Hecker Philipp, Sohn von Witwe Matthias Hecker
101. Dennenwaldt Nikolaus, Sohn von Feldhüter Jakob Dennenwaldt
102. Dohm Wilhelm, Sohn von Einnehmer Paul Dohm
103. Treinen Nikolaus, Neffe und Adoptivsohn von Nikolaus Treinen
104. Schmidt Johann, Sohn von Breifträger Matthias chmidt
105. Leonardy Wilhelm, Sohn von Ortsvorsteher Leonard Leonardy
106. Thommes Michel, Sohn von Witwe Johann Thommes
107. Bales Theodor, Sohn von Nikolaus Bales
108. Lua Heinrich, Sohn von Adam Lua
109. Hagen Joseph, Ehemann von Katharina Schneider

Den Heldentod fürs Vaterland erlitten außer den neun aufgeführten Kriegern:

10. Der unter Nr. 107 aufgeführte Theodor Bales, Kanonier im ostfriesischen Feldartellerie-Regiment Nr. 62. Er starb am 8. April 1918 infolge eines am Tage vorher erhaltenen Granatschusses, nachdem er noch die heiligen Sterbesakramente empfangen hatte, im Alter von 19 Jahren. Seine irdischen Überreste ruhen in einem Pfarrgarten, der damals in der Kampffront in Frankreich lag.
11. Der unter Nr. 31 aufgeführte Paul Nösges fiel am 18. April 1918 bei Armentieres und liegt begraben bei Calonne zu La Lys in Frankreich. Acht Tage später fiel auch in Frankreich sein Bruder.
12. Matthias Nösges (Nr. 33) am 26. April 1918 bei einem Sturmangriff auf Vermezeele.
13. Der unter Nr. 13 aufgeführte Wilhelm Mertes, Sergeant im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 237. Er starb am 11. Mai 1918 infolge Verschüttung im Alter von 35 Jahren. Es war dieses der härteste Fall des Ortes, da der Held zwei Kinder (Knaben) als Vollwaisen hinterließ.
14. Der unter Nr. 102 aufgeführte Wilhelm Dohm fiel kurz vor dem Waffenstillstand am 21. Oktober 1918 im Alter von 19 Jahren in den heißen Kämpfen bei Vouzieres in Frankreich.
15. Erstes Kriegsopfer des Ortes wurde der unter Nr. 7 aufgeführte Wilhelm Bollendorf. Eine bestimmte Nachricht über seinen Tod ist nicht eingetroffen. Wie anzunehmen ist und Gerüchte verlauten, ist er in den ersten Kriegstagen bald nach seinem Ausrücken aus der Garnisonstadt Cöln in Belgien gefallen."

 


Ein trauriger Brief an eine Mutter (von Adolf Bales)                                   


Im ersten Weltkrieg 1914-18 verloren rund acht Millionen Menschen ihr Leben. 1,8 Millionen deutsche Soldaten starben den sogenannten Heldentod. Einer von ihnen war mein Onkel Theodor "Dez" Bales. Er fiel am 28.04.1918 in Frankreich im Alter von 19 Jahren. Die Mitteilung über seinen Tod erhielt seine Mutter mit nachstehendem Brief:

Liebe Frau!

Vorgestern wurde Ihr Sohn Theodor auf dem hiesigen Hauptverbandsplatz eingeliefert. Es hatte ihn in einem Truppenlager in der Nähe bei einer Beschießung ein Granatsplitter getroffen. Ich kam bald hinzu und war die längste Zeit bei ihm.
Er ertrug seine Schmerzen mit bewundernswerter Standhaftigkeit. Seine Gedanken wandten sich hauptsächlich Ihnen zu. Er war sich mit voller Klarheit bewußt, daß er bei seiner schweren Verwundung auf das Schlimmste gefaßt sein müsse. Da machte ihm nur der Gedanke Sorge, Sie würden sich über seinen Tod allzusehr grämen. Ich suchte ihn zu beruhigen, vor allem, indem ich ihm versprach, an Sie zu schreiben. Ich hoffe nun, daß Sie meine Worte wahr machen werden und als Christin Ergebung und Kraft in Ihrem Glauben finden werden. Ich habe Ihrem Sohn auch die hl. Sakramente gespendet. Er hat seinen Heiland empfangen, den besten Tröster, und hat sich ihm willig zum Opfer gebracht. Nun sage ich Ihnen, was ich auch ihm gesagt habe: "Wie kurz ist unser aller Leben? Einige Jahre, alles ist vorüber, und wir finden jene wieder, die uns vorausgegangen sind." So schließen auch Sie sich innig an den Heiland an. Da Ihr Sohn in ganzer Pflichterfüllung gefallen ist, haben Sie zwar schmerzlicher verloren als andere Mütter, aber auch größere Gewißheit, daß er in Gnade gestorben ist. Und so ist dann das Wiedersehen gewiß. Die Gnade des Auferstandenen gebe meinen Worten wirklich Kraft, daß sie trösten können!
Die sterblichen Überreste Ihres Sohnes haben wir mit denen anderer Kameraden hier in Bus im Garten der Pfarrhauses beerdigt.
Gott sei mit Ihnen und helfe Ihnen!
Freundlichen Gruß
Kusche
Div. Pfarrer


Die Zeit zwischen den Kriegen                                


Die Oberweiser Bevölkerung hatte noch lange Zeit an den Folgen dieses ersten Weltkrieges zu leiden. Rationierungen von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern und Besatzung verlangten viele Opfer.
So musste der Kreis Bitburg an die französischen Besatzer 311 Stück Vieh abliefern. Separatistische Bewegungen für eine "Rheinische Republik" machten sich breit, die von den Franzosen unterstützt wurde. Die Bevölkerung war gegen diese Aktionen, und nach einem Jahr war der Spuk vorbei.
Aber Deutschland stand im Umbruch. Der Kaiser musste abdanken, und die Republik wurde ausgerufen.
Im Oktober 1929 kam es an der New Yorker Börse zu einem Zusammenbruch, der nicht nur Amerika, sondern auch der "Weimarer Republik" schwer zu schaffen machte. Diese Weltwirtschaftskrise umfasste so nach und nach die ganze Welt. Die deutsche Reichsbank reagierte völlig falsch, erhöhte kräftig die Zinsen und fror die Konten ein. Die Wirtschaft verfiel zusehends und brach schließlich zusammen.
Die Arbeitslosenzahl stieg stetig an. 1932 hatte Deutschland 7 Millionen Arbeitslose. Es kam zu einer immensen Inflation, die 1923 ihren Höhepunkt hatte, als für einen US-Dollar 4,2 Billionen Reichsmark bezahlt werden mussten.

Notgeld war bereits in den letzten Kriegsjahren ausgedruckt worden und es wurde ständig neues Geld gedruckt, Geld ohne jede wirtschaftliche Basis. So konnte es nicht ausbleiben, dass der Wert des Geldes ins Bodenlose fiel. Wen wundert es da, dass radikale Elemente, die wirtschaftliche Besserung und Wiederherstellung der ach so angeknacksten Ehre, die damals einen ganz anderen Stellenwert hatte als heute, versprachen, immer mehr Zulauf gewannen.


Superbenzin 1920 (von Werner Bertrang)                                  


In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg - Anno 1920 - fährt Burch Michel (Michel Kranz) aus Oberweis zum Nimstalbahnhof Messerich; denn hier befindet sich die Tankstelle des Landkreises Bitburg.
Michel ist einer der ersten Führerscheininhaber und LKW-Besitzer hierzulande und muss darum wichtige Fahrten für komunale Belange erledigen. Er erhält dafür monatlich eine gut kontingentierte Ration Benzin; aber gerade das macht ihm Sorgen.
Er besitzt nämlich keine Benzinfässer, um das kostbare Motornass in Messerich abzuholen. Not macht bekanntlich erfinderisch. Flugs hatte er eine Idee und diese in die Tat umzusetzen, reizt ihn sehr.
Michel denkt: Die Straßenbauverwaltung besitzt genügend Teerfässer und es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn er von diesen Leuten im Stich gelassen würde. Nach Rücksprache mit den Straßenleuten erwirbt Michel drei leere Fässer und bedankt sich für die schwarzen, stabilen, dichten und sehr billigen Behälter.
Jetzt plagt ihn nur noch das Problem des Saubermachens. Hierfür findet er auch eine Lösung und die sollte recht abenteuerlich und originell sein. Michel macht es so: Er stellt ein Fass hinter die Giebelseite der Scheune, nimmt alte Jutesäcke und schneidet diese in schmale Streifen. Die Streifen knüpft er zusammen und erhält so eine Zündschnur. Die taucht er in Benzin. Diese Schnur legt er vom Fass ausgehend über den Boden und zwar um die Hausecke. Ins Fass füllt er fünf Liter Benzin. Nun kann der große Augenblick der Reinigung erfolgen.
Vorsichtig zündeter die Schnur an und verfolgt genau, wie die Flamme langsam in Richtung Fass über den Boden kriecht. In wenigen Augenblicken ist die Flamme um die Hausecke verschwunden und Michel wartet gespannt auf die Explosion. Dabei wird er ungeduldig und denkt: Du musst einmal nachschauen. Ergo schleicht er bis zur Hausecke und in diesem Augenblick vernimmt er eine heftige Detonation. Die Erde bebt und das Fass steigt vor seinen Augen senkrecht in die Höhe bis unter die Wolkendecke. "Und was meinst du", so der Erzähler, "das Fass kommt genau an der Stelle zur Erde, wo es vorher gestanden hatte. Und stell dir vor, es steigt noch sechsmal gen Himmel; zuletzt nur noch so hoch wie diese Zimmerdecke hier. Dann war ich natürlich gespannt, ob das Fass auch sauber wäre. Du kannst mir ruhig glauben, mit den heutigen Reinigungsmitteln wäre es nicht so sauber geworden!"
Die verbrannten Teerreste schüttet Michel aus, säubert die anderen Fässer auch so aber mit noch größerer Vorsicht. Die Fässer zeigen zwar kleinere Beulen, dafür sind sie blitzblank und billig. Michel kann nun getrost nach Messerich fahren und Benzin fassen.
Etwas bemängelte Michel allerdings in Messerich: An der Tankstelle befanden sich zwei Zapfsäulen mit der Aufschrift: "Benzin" und "Super". Michel wusste aus sicherer Quelle, dass beide Leitungen in ein und demselben Tank mündeten.
Schon damals wusste jeder sein Schäfchen ins Trockene zu bringen.

 


Die ersten Jahre des Dritten Reiches                                

Als am 13. März 1932 die Reichspräsidentenwahl stattfand mit einer Wahlbeteiligung von ganz normalen 78% in Oberweis - was sich später im "Tausendjährigen Reich" ganz gewaltig änderte - wurde noch Hindenburg mit der großen Mehrheit von 162 Stimmen gegenüber Hitler mit 69 Stimmen gewählt. Auch in der Landtagswahl am 24. April lag die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) mit 100 Stimmen zu 134 Stimmen, die das Zentrum auf sich verbuchen konnte, an zweiter Stelle. Andere Parteien hatten in Oberweis keine Bedeutung. Dasselbe Verhältnis gab es bei den am 31. Juli und 6. November 1932 stattgefundenen Reichstagswahlen. Eine Reichstagswahl jagte die andere. Eine Regierungskrise jagte die andere. In Deutschland herrschte ein ziemliches Durcheinander. Hitlers SA setzte inzwischen massiven Druck ein. So fand am 5. März 1933 bereits die nächste Wahl statt, und hier sah das Ergebnis schon etwas anders aus: Zentrum 139 Stimmen und NSDAP 131 Stimmen; aber noch keine Mehrheit der Nazis in Oberweis. Am 12. November desselben Jahres, wieder eine Reichstagswahl, stimmten von 342 stimmberechtigten Oberweiser Bürgerinnen und Bürgern 311 für die NSDAP! Die Wahlbeteiligung betrug 96,2%!

Seit dem 30. Januar 1933 war Hitler Reichskanzler. In Berlin marschierte die SA und sang: "Die Fahne hoch, die Reihen fest geschlossen..." Die Kolonnen marschierten wie eine Besatzungsarmee in Berlin ein. Notverordnungen wurden erlassen. Diesen folgte das Ermächtigungsgesetz. Bereits im Sommer 1933, nach kaum sechs Monaten Regierungszeit, hatte Hitler alle Gegner und gegnerischen Parteien beseitigt. Alleinherrscherin war die NSDAP. Schon jetzt wanderten Gegner in die Konzentrationslager. So eine Lage hatte bisher in Deutschland noch nie existiert. Abhörungen und Verleumdungen waren an der Tagesordnung. Ein System der totalen Überwachung begann. Einer überwachte den anderen. Die Nachbarn verrieten sich gegenseitig, ja sogar Kinder denunzierten ihre Eltern. Die Angst vor Verrat ging um. Der Hass auf bestimmte Minderheiten wurde systematisch geschürt. Man brauchte ein Feindbild, denen man alle Misserfolge anhängen konnte. Wie weit die Gedanken der Menschen auch in Oberweis beeinflusst und vergiftet wurden, zeigt sich in einem Text der Schulchronik, den Lehrer Peter Müller - aus welchem Grund auch immer - im September 1938 verfasste:
"......Der wesentlichste Faktor jedoch war eine verlogene Hetze ausländischer, jüdischer Mordbuben.....".
Im Januar 1935 fand die Saarabstimmung statt. Mit großer Mehrheit entschied sich die Saarbevölkerung für die "Rückkehr ins Reich". Zur Feier diese Anlasses hatten die Kinder schulfrei, und in Oberweis fand eine Saarfeier mit Fackelzug und Festreden statt. Musikkapellen spielten, und Schulkinder sagten Gedichte auf.


Wiedereinführung der Wehrmacht

Im März 1935 schrieb Lehrer Müller in die Chronik:
"... Durch Reichsgesetz vom 16.3.1935 wurde nach 17-jähriger Schmach die Wehrmacht des Deutschen Volkes wieder eingeführt. Sie bedeutet außenpolitisch eine große Aufregung und Empörung Europas, andererseits der beste Garant des Friedens; innenpolitisch ein Jubel, eine Genugtuung aller Reichsdeutschen im Zeichen der wiedererlangten Freiheit und Ehre...."

Im Dorf traten sogleich 12 Männer der Jahrgänge 1914/15 in die Wehrmacht ein.

Mit diesem Tage lebte ein alter, aber noch nicht vergessener Brauch wieder auf:
Die jungen Burschen zogen mit einem großen Korb von Haus zu Haus und sammelten Eier ein. In der Gastwirtschaft Gasper (heute "Zur alten Post") wurden 100 Eier "in die Pfanne geschlagen" und gegessen. Der Wirt stellte nach altem Brauch Fett und Brot, Teller und Besteck. Ein frisches Glas Bier sorgte dafür, dass die "dicken Happen" rutschten und die gute Stimmung noch erheblich gesteigert wurde. Vielleicht war es diese vergnügliche Feier, die die Gemüter erhitzt und die Fäuste gelockert hatte, die es zu einer deftigen Prügelei mit Bettinger Wehrpflichtigen hatte kommen lassen. Vor dem alten Gasthaus Rinnen prügelte man sich mit Zaunlatten, Eisenstangen, Wagenrungen, kurz mit allem, was einem in die Finger kam. Diese Schägerei nahm derartige Ausmaße an, dass das Trierer Überfallkommando alarmiert werden musste. Einige der schlimmsten Raufbolde wurden kurzerhand festgesetzt, zumal sie die Polizeibeamten mit den freundlichen Worten empfingen: "Dir kennt es och noch ob de Schness kreien, wann mir schung dabä sen." Nach kurzem Verhör und Ausnüchterung wurden die "strammen Jungs" wieder freigelassen. Schließlich konnte man solche Kerle in Zukunft in dem sich anbahnenden Krieg gut gebrauchen.

In dieser Zeit wurde auch die Hauptstraße geteert und damit ein jahrelanger Wunsch der Ortsbewohner erfüllt.

1939 wurde der Sportplatz "In der Klaus" (Flurname) angelegt, 1940 - bereits während des Krieges mit Hilfe des Reichsarbeitsdienstes - das erste Schwimmbad mit Umkleidehäuschen für Badegäste und Sportler im Kreis Bitburg neben dem Sportplatz gebaut.

Leibeserziehung war eine wichtige Sache im sogenannten Dritten Reich; stählte sie doch den Körper und produzierte kräftige und leistungsfähige Soldaten zur Verteidigung des Vaterlandes, wie es so schön hieß.
Damit die Kinder und Jugendlichen im nationalsozialistischen Sinne erzogen wurden, war es seit 1939 Pflicht, der bereits 1926 gegründeten Jugendorganisation der NSDAP, der Hitlerjugend beizutreten. Die 10 bis 14-jährigen Jungen gehörten zum Jungvolk (DJ), die älteren zur Hitlerjugend (HJ). Bei den Mädchen kamen die Jüngeren zu den Jungmädels (DJM) und die Älteren zum Bund Deutscher Mädel (BDM). 1934 gab es im Dorf noch keine Hitlerjugend, doch bereits 1935, nach einer Werbewoche der HJ, wurden in Oberweis alle Schülerinnen und Schüler bis auf vier Ausnahmen bei den Mädchen der Hitlerjugend zugeführt.


Aktion Winterhilfe

Die Winterhilfe wurde ins Leben gerufen. Eine gute Sache an und für sich. Man sammelte z. B. unter dem Namen Eintopfsammlungen Geld oder Lebensmittel, kochte dafür in zentralen Suppenküchen ein Eintopfgericht und ermöglichte es so allen Bürgern, hier eine billige Mahlzeit einzunehmen. So war es in den Städten. Hier in Oberweis sammelten die Schulkinder z.B. Bucheckern, die der Volkswohlfahrt zur Verfügung gestellt wurden. In den Häusern wurden auch Eintopfsammlungen durchgeführt, dazu kamen Naturalspenden (Getreide, Eier, Fett..) und Geldspenden zu allen möglichen Gelegenheiten, so in den Reichsstraßensammlungen, Bargeldablösungen, d.h. Gelder wurden gleich vom Lohn abgezogen, die Specksammlungen oder auch Sammlungen durch Verkauf von Abzeichen. Jeder musste bei den Haussammlungen etwas geben. Tat er es nicht, so wurde Meldung gemacht und derjenige wurde mit Geldbußen bestraft. So musste ein Oberweiser Bürger 50,- RM zahlen, weil seine Frau am Sonntag bei der Haussammlung kein Geld gegeben hatte.
Große Summen wurden auf diese Weise zusammengetragen. Eine Aufstellung in der Schulchronik gibt folgendes für die Ortsgruppe Oberweis im Winter 1938/39 an:

Eintopfsammlungen: 2086,- RM
Reichsstraßensammlungen: 1117,- RM
Pfundspenden: 2340,- RM
Bargeldablösungen 372,- RM
Kartoffeln: 1677,- RM
Getreide: 2700,- RM
Summe 10292,- RM


Am 10.4.1938 fand wieder eine Abstimmung zum "Großdeutschen Reich" statt. Dieses Mal war die Wahlbeteiligung 100%. Von 343 abgegebenen Stimmen stimmten 339 mit "Ja", 4 Stimmen waren ungültig.


Oberweis im zweiten Weltkrieg 1939 bis 1945                                  


Im September 1938 wurde die Sudetenkrise akut. Das Sudetenland war nach dem ersten Weltkrieg der CSSR zugesprochen worden. Unter massiver Erpressung der tschechoslowakischen Regierung kam es 1938 zum "Münchener Abkommen" und zur Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich.
Schon während dieser Zeit sah es hier in Grenznähe so aus, als sei der Krieg bereits ausgebrochen. Viele Truppen kamen in das hiesige Gebiet, und zu den bereits einquartierten Westwallarbeitern mussten diese auch noch untergebracht werden. Nach Beendigung der Sudetenkrise wurden die Truppen wieder in ihre Garnisonen zurückkommandiert; der Bau des Westwalles wurde aber mit Hochdruck vorangetrieben.
Am 1. September 1939 marschierte die Deutsche Wehrmacht in Polen ein, und der größte und verheerendste Krieg der Weltgeschichte brach aus. Genau nach sechs Jahren, am 2. September 1945, wurde er durch die formelle Kapitulation Japans an Bord des US-Kriegsschiffes "Missouri" beendet.
Hier in Oberweis bekamen am 26. August 1939 alle Männer zwischen 25 und 50 Jahren in der Nacht oder den frühen Morgenstunden Stellungsbefehle und mussten sich sofort an verschiedenen Orten melden.

Nachdem England und Frankreich aufgrund des Poleneinmarsches Deutschland den Krieg erklärt hatten, wurden längs der Grenze die Dörfer von Frauen und Kindern evakuiert. Aber es blieb vorläufig noch alles ruhig, außer dass Oberweis bald aussah wie ein Heerlager. Jeder Winkel war mit Pferden und Soldaten belegt, einige mussten sogar im Freien kampieren. Schwere Artillerie aus Münster war hier einquartiert. Ihre Geschütze wurden von sechs bis acht Pferden gezogen, die am Anfang, als es hier im Westen noch ruhig zuging, schon einmal bei der Feldarbeit halfen.

Am 10. Mai 1940 rückten die deutschen Truppen über die Westgrenze; der Frankreichfeldzug hatte begonnen. Alle Bauernpferde aus dem Dorf waren requiriert, mit ausgerückt und kamen auch nicht wieder zurück.

An den Straßen gab es in diesen Tagen viel zu sehen. Vier Tage und Nächte fuhren ununterbrochen motorisierte Truppen durch den Ort, vom Kradfahrer bis zum schweren Panzer. Danach kamen drei Wochen lang Infanterie-Divisionen. Im Bedhard bei der Hungerburg war das Führerhauptquartier, was aber anfangs nicht bekannt war. Einen Feldflugplatz gab es zwischen Dockendorf und Bettingen. Vom Berg aus konnte man die Stukas starten und landen sehen.

Man hatte das Spritzenhaus in der Bachstraße als Gefängnis für Wehrmachtsangehörige, die Fahnenflucht oder sonst ein Vergehen begangen hatten, eingerichtet. Ein trauriger Fall ist aus diesem Gefängnis in Erinnerung geblieben, von dem der Oberweiser Hobby-Historiker Alfred Schäfer, damals noch ein Schulkind, in seinen Aufzeichnungen berichtet:

"...Und so kam es, dass auch ein junger fahnenflüchtiger Soldat, ungefähr 18 Jahre alt, von der Feldgendarmerie in Begleitung des Dorfpolizisten und des Brandmeisters der "Freiwilligen Feuerwehr", welcher den Schlüssel zum "Spritzenhaus" besaß, dort eingeliefert wurde.
Dieser arme Mensch, der vermutlich nur aufgrund seiner Jugend und seines seelischen Zustands - weil er heim zu Muttern wollte - Fahnenflucht begangen hatte, wurde nun vorerst dort bei Wasser und Brot seinem Schicksal überlassen. Aber nur für kurze Zeit: Denn nach einigen Tagen erschien nachts die Feldgendarmerie und verprügelte ihn, so dass er furchtbar schrie. Zivilisten war es bei Strafe verboten, mit dem Gefangenen zu sprechen oder ihm irgendwelche Lebensmittel oder auch nur Wasser zu geben. Wir Kinder taten dies trotzdem und reichten ihm durch ein schmales Luftloch in der Wand des "Spritzenhauses" Wasser, Brot und Obst. An der Wand zum "Spritzenhaus", dort wo sich das Luftloch befand, befand sich auch ein Holzschuppen, so dass wir, wenn wir etwas durch das Loch reichten, dabei nicht gesehen werden konnten. Dieser junge Mensch dauerte uns sehr, vor allem, wenn wir nachts sein Rufen und seine Schreie hörten. Wir konnten seine Verlassenheit gut nachempfinden. Und trotz Strafandrohung steckten wir ihm immer wieder was zum Essen und Trinken zu.
Nach einiger Zeit wurde er dann von der Feldgendarmerie abgeholt und wahrscheinlich nach kurzem Gerichtsverfahren entweder erschossen oder einem Strafbataillon zur Bewährung übergeben, was immer das hieß. Und falls er dieses überlebte, so war er danach niemals mehr derselbe Mensch und für das spätere Leben gezeichnet."

Schon im Sommer 1940 wurden französische Gefangene ins Dorf eingewiesen, die den Bauern als Arbeitskräfte zugeteilt wurden. Man durfte außer Arbeitsanweisungen nicht mit ihnen sprechen. Sie mussten auch separat beköstigt werden, woran sich allerdings niemand hielt. Manche sollen sogar ein recht gutes Verhältnis zu "ihrem" Bauern gehabt haben. Gefangene blieben bis 1944 hier und wurden erst abgezogen, als im September die Front näher rückte.
Bis 1944 herrschte verhältnismäßige Ruhe im Ort. Soldaten wurden nicht mehr gesehen bis auf einige Urlauber und den Gefangenen-Wachtposten. So ging das Leben seinen fast normalen Verlauf.


Man musste zwar wegen der feindlichen Flieger die strengen Verdunkelungsvorschriften einhalten, kein Lichtschimmer durfte aus den Fenstern fallen und die Fahrzeuge mussten mit Blendklappen fahren, aber man hatte nicht unter Beschuss zu leiden wie in anderen Gebieten Deutschlands. Trotzdem wurden eifrig Luftschutzübungen abgehalten, z.B. in der Untergasse am Haus Mertes.

Der Schulunterricht ging weiter, obwohl ein Schulsaal vom Wirtschaftsamt belegt war. Der Schulleiter Peter Müller war als Soldat eingezogen, und so übernahm Fräulein Ebener die Aufgaben einer Schulleiterin.
Neben dem Unterricht hatten die Kinder viele Sammlungen durchzuführen: Kräuter wurden fleißig gesammelt und getrocknet, Altmaterialien wie Metalle, Stoffe, Knochen und Altpapier wurden zusammengetragen. Aus dem Erlös der Sammlungen wurden u.a. Lernmittel und Preise für die besten Sammler angeschafft.
Rationierungen, die es im ersten Weltkrieg schon gegeben hatte, wurden wieder eingeführt.

Im Sommer 1944 wurde die Situation zunehmend schwieriger. Am 6. Juni hatte in der Normandie die Invasion begonnen und Anfang September rückten amerikanische Truppen ins Luxemburgische ein und näherten sich der deutschen Grenze. Damit begann für die hiesige Region die Endphase des Krieges.
Am 15. September 1944 standen die Amerikaner vor Olsdorf, drei Kilometer von Oberweis entfernt. Die deutschen Panzertruppen konnten sie zwar bis über die Sauer zurückschlagen, aber Oberweis war zum Kriegsschauplatz geworden. Die Amerikaner vermuteten in Oberweis besondere Stellungen, da sie aus der Luft eine Reihe von Schützengräben ausgemacht hatten, die von russischen Kriegsgefangenen an der Held ausgegraben worden waren. Die ersten Bomben fielen, über das Dorf hinweg fanden Artellerieduelle statt, und viele Einwohner flüchteten in weiter zurück liegende Dörfer. Die Neumühle war nie so bevölkert wie zu dieser Zeit.


Auch Behörden und Nazis ergriffen die Flucht, weil man Repressalien befürchtete.
Die meisten Menschen verbrachten die Nächte in Kellern oder in selbst gegrabenen Stollen, die in den Galgenberg und in den Hustert getrieben worden waren. Wichtiges Hab und Gut wurde hier verwahrt.

Ab Oktober kontrollierten bei hellem Wetter die feindlichen Jabos (Jagdbomber) und Lightnings (Doppelrumpf) den Luftraum, und da, wo sie deutsche Soldaten oder Fahrzeuge sahen, wurden diese beschossen. Nicht einmal die Bauern auf den Feldern waren vor Luftangriffen sicher. So kam es, dass Feldarbeiten nur noch bei nebligem Wetter ausgeführt wurden.

1944 fielen die ersten Bomben auch in Oberweis. Die meisten richteten keinen großen Schaden an. So schlugen einige Bomben auf die Wiese zwischen Untergasse und Prüm ein, zwei weitere in der Nähe der Häuser Daufenbach - Friedrichs auf dem Dohm`schen Grundstück. Elf Granaten explodierten nahe der Vollmühle. Aber es gab auch schwere Schäden. Eine Granate zerstörte das Dach und den Oberstock der Lehrerwohnung. Etliche Wohnhäuser wurden beschädigt, alle Dächer von Granatsplittern durchsiebt. Stall und Scheune von Büchels in der Bachstraße brannten vollständig aus. Auf Aschermittwoch 1945 legte eine Bombe das Gasthaus Gasper mit der Post in Schutt und Asche. Einige Tage später bei einem weiteren Fliegerangriff wurde der Gastwirt Christof Gasper getötet. Kriegsgefangene Polen haben ihn aus den Trümmern gezogen.. Drei weitere Zivilisten wurden durch Beschuss getötet: Magdalena Zewen, Johann Becker und Johann Bollendorf. Johann Becker war Schreiner und hatte seine Werkstatt in dem kleinen Häuschen neben der Scheune des Schmidt-Hauses in der Obergasse. Die Bombe war in den Garten des Nachbarn Linkels gefallen. Durch den Luftdruck wurde Johann Becker an seinem Arbeitsplatz getötet. Sonst richtete diese Bombe keinen direkten Schaden an. Das 1940 gebaute Schwimmbad wurde ebenfalls zerstört.
Im Herbst 1944 war der Volkssturm aufgerufen worden, um das Vaterland noch zu verteidigen. Männer bis zum Alter von 60 Jahren wurden in Baustert im Haus Sonnen vereidigt und im Pistolenschießen ausgebildet. Nach der Einkleidung in Ordorf sollten sie an der Front eingesetzt werden. Das Ganze war eine Farce, und etliche Volkssturmmänner verkrochen sich bei Bekannten, bis die Front sie überrollt hatte. Allerdings riskierte man dabei sein Leben, denn die Standgerichte kannten keine Gnade.
Gegen Ende des Jahres 1944 wurden immer mehr Soldaten zusammengezogen, und am 16. Dezember begann die Rundstedt-Offensive. In wenigen Tagen konnten die Deutschen Nordluxemburg besetzen und bis Bastogne vordringen. Allerdings drängten die Amerikaner die deutschen Truppen, denen Nachschub und Luftunterstützung fehlte, bald wieder zurück und standen am 13. Februar 1945 mittags in Mülbach.

Von diesem Aufmarsch Anfang Dezember schreibt Alfred Schäfer:

"....dann Anfang Dezember ging es richtig los! Der Himmel war trüb und neblig, und über Nacht, von einem Tag auf den anderen, war unser Ort plötzlich von Militär überfüllt. In allen Schuppen und Scheunen, in den Gärten zwischen den Häusern, wurden militärische Ausrüstungsgegenstände und Munition eingelagert. Im Bedhard, auf der Bitburger Straße, stand ein Militärfahrzeug am anderen. Panzerspähwagen, Militärlastwagen, Schützenpanzerwagen, Kübelwagen und jede Menge Panzer. Der ganze Aufmarsch erstreckte sich von vorn im Bedhard bei Bitburg bis fast nach Oberweis. Auf der Prüm übten Soldaten in Schlauchbooten den geplanten Übergang über die Sauer, dem Grenzfluss nach Luxemburg. Der ganze militärische Auf- und Abmarsch lief unter Gebrüll ab: Antreten, still gestanden, rührt euch, im Laufschritt marsch, marsch und so weiter. Und plötzlich ab dem 14. Dezember setzte sich alles vom Bedhard ausgehend durch Oberweis in Richtung deutschluxemburgischen Grenze in Bewegung. Das war ein Aufmarsch! Es war ein erhebendes militärisches Schauspiel, was da alles anrollte. Zuerst kamen Panzerspähwagen, dann Schützenpanzerwagen, dazwischen Panzer vom Typ "Panther". Dann ging es erst richtig los mit Panzern vom Typ "Tiger" und den ganz großen vom Typ "Königstiger", breit wie die Hauptstraße, die Neuerburger Straße. Und dazwischen folgten immer wieder in Abständen Sturmgeschütze, alles geführt und geleitet von Feldgendarmerie in Kübelwagen. Der ganze Durchmarsch durch Oberweis dauerte etwa 4-5 Stunden. Danach war es plötzlich beklemmend ruhig, als der Spuk vorbei war.......Auf der Straße am Feilsdorfer Berg stand ein Pferdegespann am anderen, geführt von russischen "Hiwis", meist Kosaken. Man benötigte noch Pferde zum Transport von Nachschubgütern und Geschützen, da man nicht genügend Kraftfahrzeuge hatte. Junge Fallschirmjäger, 18 bis 20 Jahre alt, warteten auf ihren Einsatzbefehl, der am 15. Dezember kam."

Am Heiligabend 1944 wurde Bitburg in Schutt und Asche gelegt. Von Oberweis konnte man den Angriff beobachten. Auch hierzu eine Stelle aus den Niederschriften von Alfred Schäfer:

"....In diesen Nächten haben wir zum ersten Mal "Christbäume" gesehen. Leuchtfallschirme, die aussahen wie Christbäume - nur nicht so fröhlich - , womit die Amerikaner ihre Ziele markiert haben. Beim Angriff auf Bitburg, am 2. Weihnachtstag, schoss ein Acht-Acht-Flakgeschütz, welches zu der Zeit am Brotberg stationiert war, einen der angreifenden Bomber aus dem Bomberverband heraus ab. Dieser drehte sich noch nach Westen, stürzte dann aber.....ab. Teile der Besatzung stiegen über Oberweis aus dem brennenden Bomber aus und ruderten mit den Händen, nachdem sich ihre Fallschirme geöffnet hatten, in Richtung auf die luxemburgischen Grenze der amerikanischen Front zu."


Weihnachten 1944 (erlebt und erzählt von Adolf Bales)                                  

Es ist Sonntag, der 24. Dezember 1944 - Heiligabend.
Der Krieg ist nah.
Bomberpulks fliegen über das Dorf.
Sie laden ihre zerstörende, Tod bringende Fracht über Bitburg ab.
Schwarze Rauchwolken verdunkeln den Himmel.

Unser Vater ist in Rußland. Vor Tagen kam ein Brief von ihm. Er schreibt, dass er an Weihnachten nicht heim darf. Seit 1939 ist er Soldat. In den Jahren zuvor durfte er immer an Weihnachten einige Tage bei uns sein. Wir alle, besonders Mutter, sind sehr traurig. Vater hat immer den Christbaum gemacht. Weil er nun aber nicht daheim sein kann, fühle ich mich dafür verantwortlich. Immerhin bin ich schon 13 und der Älteste von uns fünf Geschwistern. Als "Ältester" hat man einige Privilegien und auch Pflichten. Ich darf abends länger als meine Geschwister aufbleiben, darf beim Plätzchen backen und bei allem, was für Weihnachten oder auch sonst getan werden muss, der Mutter helfen.
Es ist Abend geworden. Meine Geschwister, Paul 12, Maria 11, Albert 8 und Werner 6, schlafen schon. Vor Tagen habe ich ein Tannenbäumchen besorgt und in der kleinen Stube aufgestellt. Mutter arbeitet in der Küche, und ich bin dabei, die schönen bunten Kugeln an den Fichtenzweigen zu befestigen.
Es klopft an der Tür, und herein kommt ein junger Soldat. Er steht da in seiner verdreckten Uniform ohne Mantel, ohne Mütze, ohne Helm, ohne Waffe und bittet um ein Nachtquartier. Mutter bietet ihm unser Sofa als Nachtlager an und geht in die Küche, um etwas Essbares für unseren Weihnachtsgast zu richten. Derweil setze ich mich zu ihm an den Tisch und will ganz genau wissen, wo er herkommt und wo er hin möchte. Hart sind seine Gesichtszüge und er erzählt:
"Am frühen Morgen sind wir mit einer JU aufgestiegen, 17 Fallschirmjäger waren an Bord. Im Aachener Raum sollten wir zum Einsatz kommen. Englische "Spitfire-Jäger" haben unsere Maschine abgeschossen. Einen der 17 Kameraden habe ich am Boden wiedergefunden. Wir gelangten nach Bitburg. Dort habe ich meinen Kameraden heute nachmittag beim Angriff verloren." Leise fuhr er fort: "Vater ist seit Jahren tot. Mutter und meine Schwester starben in einer Bombennacht daheim. Ich fühle mich allein und einsam und will schnell wieder zur Front zurück."
Während ich weiter den Christbaum schmücke, isst er seine Bratkartoffeln und schlürft das aus gerösteter Gerste gebraute Getränk, das wir Kaffee nennen. Er starrt auf den Christbaum, und man kann unschwer erkennen, dass er mit seinen Gedanken weit weg ist. Ob er wohl an seine Eltern, seine Schwester und an seine Kindheit denkt? Er legt sich auf das Sofa und zieht die Wolldecke über sich.
Als Mutter und ich die Treppe hochsteigen, um schlafen zu gehen, sehe ich, dass Mutter leise weint.
Es ist keine stille Nacht diese heilige Nacht. Nicht alles schläft. Sehr, sehr viele Menschen wachen. Von der Straße her dröhnt der Lärm der Panzer und Fahrzeuge. Militärpolizei regelt und überwacht den Verkehr und die Brücke. Immer wieder hört man Kommandos und den Ruf: "Licht aus!" Licht ist sehr gefährlich, denn jedes erkennbare Ziel greifen die "Jabos" an, die auch in der heiligen Nacht überall sind und selbst dem Weihnachtsengel am Himmel keinen Platz lassen.
Am Weihnachtsmorgen, es ist noch dunkel, verabschiedet sich unser Soldat. Er steigt in ein Sani-Fahrzeug und fährt mit in Richtung Front und Krieg - ohne Mantel, ohne Mütze, ohne Helm, ohne Waffe.
Wir freuen uns über den herrlichen Christbaum und über die Gaben, die uns das Christkind gebracht hat. Wir freuen uns über die Teller mit Gebäck, Äpfeln, Nüssen, selbst gemachten Bonbons und Pralinen. Kerzen brennen am Weihnachtsbaum und Mutter singt mit uns: "Stille Nacht, heilige Nacht". Wir beten gemeinsam zum Christkind für unseren Vater in Rußland, den wir heute ganz besonders gern bei uns gehabt hätten.
Am 2. Weihnachtstag legen die Bomber Bitburg in Schutt und Asche. Unsere Wohnung an der Brücke ist zu gefährlich geworden. Wir packen das Notwendigste zusammen, laden alles auf Onkel Mätthis LKW und flüchten mit vielen andern aus dem Dorf nach Neumühle. Sehr vieles müssen wir daheim zurücklassen, auch den Christbaum.
Als im Februar 1945 die Brücke gesprengt wurde, blieb von unserem Haus nicht viel übrig. Dort, wo es stand, wächst heute Gras.

Der unselige Krieg endete am 8. Mai 1945. Unseren Vater sahen wir Jahre nicht wieder. Am 14. Mai 1949 kam er aus der Gefangenschaft heim.


Um den Vormarsch der Alliierten aufzuhalten, sprengte man am Abend vor dem 14. Februar 1945 noch hastig die drei Oberweiser Brücken: Die Prümbrücke, die Nierbachbrücke nach Bettingen und die Nierbachbrücke am Ortsausgang Richtung Baustert. Bei dieser Sprengerei flog das alte, zur Zeit nicht bewohnte "Bakeshaus" und das daneben stehende Häuschen von "Schutzer Sus" (Susanna Hecker) an der Prümbrücke mit in die Luft. Aber das war alles zwecklos. In der Nacht zum 14. Februar 1945 konnten die Amerikaner Oberweis kampflos besetzen. Die Leute wurden aus ihren Stollen getrieben und diese zum Teil in Brand gesetzt.
Trotz allen Leides atmeten die Menschen auf, denn die Schießerei war endlich beendet und die Amerikaner erschienen ganz freundlich. Sie hatten allerdings Sprechverbot mit Deutschen bei 100 Dollar Strafe. Das schien jedoch kaum jemanden zu interessieren, denn alte Oberweiser berichten, dass ihre Väter stundenlang mit den "Amis" zusammengesessen und diskutiert hätten, zumal einige auch noch der deutschen Sprache mächtig waren.
Zu dem Einmarsch der Amerikaner in Oberweis schreibt Alfred Schäfer:

".......Sie waren sehr vorsichtig und schossen zuerst in die Zimmer, ehe sie diese betraten. Zuerst suchten sie nach versteckten deutschen Soldaten. Die, die sie fanden, ergaben sich sofort und wurden abgeführt. Und so standen dann die Amerikaner im Keller, gingen Kaugummi kauend umher. Für uns ein seltsamer Anblick! Einer ihrer Sanitäter kümmerte sich um Kranke und Verwundete. Einige der Amerikaner gaben uns Schokolade. Am frühen Morgen mussten alle Keller geräumt werden, und jede Familie hatte sich in ihr eigenes Haus zu begeben. Es lag ein fremdartiger Geruch in der Luft, denn die Amerikaner rochen anders als deutsche Soldaten, auch ihre Gerätschaften und Fahrzeuge....."

Häuser, die von Amerikanern beansprucht wurden, mussten von den Zivilisten geräumt werden. Das betraf den Dorfbereich östlich der Prüm, der als "Polien" bezeichnet wird. Hier mussten alle die Häuser verlassen und bei Verwandten oder Freunden auf der anderen Dorfseite ein Unterkommen suchen. So war z. B. auch das Haus des Arztes Dr. Krein, der Oberweis Hals über Kopf bereits 1944, als sich die Niederlage der Nazis andeutete, verlassen hatte, ebenfalls besetzt. Nach Abzug der Amerikaner hatte hier die Witwe des Gastwirtes Christoph Gasper, Christine Gasper, genannt "Mutti", wieder ein Gasthaus eröffnet, für die Zeit, bis die "alte Post" wieder aufgebaut war.
Soldaten, die hier vorgefunden wurden - und einige waren absichtlich hier geblieben -, kamen in amerikanische Gefangenschaft. Hier und da hatten sich auch einige Soldaten als Zivilisten getarnt. Wenn sie Glück hatten, kamen sie damit durch. Es geschah aber auch, dass missgünstige oder überängstliche "Mitmenschen" sie anzeigten und auslieferten. So eine Anzeige brachte z. B. Theo Noesges vier Jahre Kriegsgefangenschaft in Frankreich ein.

Die Besatzungsmacht erließ strenge Vorschriften: Schusswaffen, Fotoapparate und Ferngläser mussten abgeliefert werden. Ein Ausgangverbot wurde erlassen, so mussten von abends sechs Uhr bis morgens acht Uhr alle in den Häusern bleiben, und außerhalb des Dorfes durfte man sich nicht bewegen.

Nach zwei Wochen hatte sich alles etwas beruhigt, die Besatzung zog weiter nach Westen, und in Oberweis konnte das Aufräumen beginnen. Bei ihrem Abzug ließen sie zur Freude einiger Nachbarn schon mal eine Kiste mit Gemüse und Orangen zurück.
Man war den Amerikanern durchweg gut gesonnen.


Die Toten des zweiten Weltkrieges in Oberweis


Leider kamen im März drei Jungen beim Hantieren mit Munition zu Schaden. Der zwölfjährige Jakob Becker verunglückte tödlich; zwei Söhne des Lehrers Müller wurden schwer verletzt.

Im zweiten Weltkrieg fielen 17 Oberweiser Männer:
Jakob Weis Alois Orth Adolf Orth
Jakob Pick Stefan Pick Alois Betzen
Nikolaus Keilen, Johann Keilen, Michael Keilen
Michel Kauth Alois Schaak Johann Schaak
Fritz Daufenbach Johann Hecker Peter Müller
Johann Mertes Michel Schäfer

Als Zivilisten starben:
Christoph Gasper Johann Becker
Magdalena Zewen Johann Bollendorf


Am 2. Mai 1945 kapitulierte Deutschland, am 9. Mai trat die Kapitulation in Kraft. Damit war der schreckliche Krieg für Deutschland beendet.

 


Oberweis nach dem Krieg                                  

So entsetzlich dieser Krieg auch gewesen war, die Menschen hatten sich nicht unterkriegen lassen. Noch als die Amerikaner hier waren, begannen die Bewohner mit den ersten Aufräumarbeiten. Die Häuser wurden, soweit es möglich war und die begrenzten Mittel es zuließen, instand gesetzt. So wurden die Dächer oft mit aufgeschnittenen Messingkartuschen und mit den Kartons, in denen die Amerikaner ihre "C-Rations" verpackt hatten, geflickt. Die Kartons waren innen und außen mit Wachs überzogen und damit wasserdicht. Fenster ließen sich damit auch prima reparieren. Da der Strom ausgefallen war, behalf man sich mit Karbidlampen. Karbid oder Öl waren noch Hinterlassenschaften der Wehrmacht und lagen in Fässern irgendwo herum.
Scharfe Munition wurde aus Gärten und Hausbereichen entfernt. Da fanden sich Gewehrgranaten, Maschinengewehrmunition, Artilleriegranaten und noch vieles mehr. Die Munition wurde auf ein Wägelchen geladen und in den "Hustert" gekippt, der damals und auch noch heute als "Müllkippe" diente. Heute landen da aber nur noch Gartenabfälle der Anlieger. Besonders Jungen waren begeisterte Sammler, und dass nicht mehr bei den Spielereien geschehen ist, grenzt an ein Wunder.

Alfred Schäfer beschreibt in seinen Erinnerungen noch folgende kleine Nachkriegsepisode:

"....Als Hinterlassenschaft der deutschen Wehrmacht lagen im Sommer 1945 noch einige Schlauchboote mit Zubehör wie Paddel und Pumpen in der näheren Umgebung des Dorfes. Die Schlauchboote waren ursprünglich für die Ardennenoffensive vom 16.12.1944 gedacht.....Es wurden jedoch nicht alle Boote benötigt, so dass einige davon beim Dorf zwecks späterer Verwendung zurückblieben. Beim Rückzug der Wehrmacht im Februar 1945 ließ diese die Boote jedoch wie auch manch anderes Kriegsmaterial zurück. Und so kam es, dass im Sommer 1945 mehrere Oberweiser Jungen zwischen acht und fünfzehn Jahren zwei der Schlauchboote nebst Zubehör in den "Frunk" transportierten, um auf der Prüm Schlauchboot zu fahren. Zuerst pumpten wir mit der Fußpumpe die Boote auf, und dann ging es von der "Rausch" an, einem Strudel in der Prüm zwischen Brecht und Oberweis, ab in Richtung Dorf. Und da nun jeder mitfahren wollte, waren die Boote schnell überladen. Aber solange das Wasser noch einigermaßen tief war, verlief die Fahrt ohne Schwierigkeiten. Jedoch oberhalb vom "Schwammplaatz" war es dann vorbei. Eines der Boote blieb an Steinen hängen....Plötzlich peitschten Schüsse ins Gebüsch und ins Wasser.. Die ganze Bootsbesatzung nahm Reißaus in alle Richtungen.
Am nächsten Tag in der Schule sagte uns der Pfarrer, dass amerikanische Soldaten, die ja in Polien lagen, unserem Treiben zugesehen hätten und uns zum Spaß mit den Schüssen in Angst und Schrecken versetzen wollten, was ihnen ja auch gelungen war. Der Pastor hielt uns eine Standpauke und drohte uns, falls wir noch einmal Boot fahren würden, mit einer Strafe.
Die Boote gelangten aufgrund von Hochwasser bis zur Prümbrücke. Dort veranstalteten die "Luxemburger", unsere neuen Besatzungstruppen, von der Brücke aus Schießübungen auf sie. Im Laufe der Zeit wurden die Reste aus der Prüm gefischt und zur Abdichtung der zerstörten Hausdächer benutzt."

Das Leben nahm nach und nach wieder seinen normalen Verlauf. Man versuchte, das Beste aus der Situation zu machen. Es wurde fleißig in der Natur alles gesammelt, was es zu sammeln gab: Abfallholz zum Feuern, Schlehen für Schnaps, Himbeeren für Marmelade, Bucheckern, die man gegen Öl und Fett eintauschen konnte. Ähren- und Kartoffelfelder wurden abgesucht, kein Fallobst blieb am Boden liegen. Manche lebten wie im Mittelalter, aber man kam durch.
Die heimgekehrten Männer und Soldaten mussten Arbeit finden und machten das, was gerade gebraucht wurde. Wurde irgendwo ein Maurer gesucht, so gab es plötzlich jede Menge "gelernte" Maurer, die diesen Arbeitsplatz begehrten. Man wurschtelte sich durch. Die Menschen untereinander waren trotz oft auftauchender Querelen hilfsbereit zueinander, jedenfalls innerhalb der Dorfgemeinschaft. Anders war auch ein Durchkommen nicht möglich.

In Oberweis regierten zuerst die Amerikaner. Jeder im Dorf bekam eine zeitweilige Registrierungskarte und durfte sich nicht ohne Genehmigung von seinem Aufenthaltsort entfernen.

Dann waren wieder einmal die Franzosen als Besatzungsmacht angetreten. Wie nach dem ersten Weltkrieg mussten auch jetzt viele Güter an die Franzosen abgeliefert werden. Alles war registriert worden, und die Ablieferungen wurden streng überwacht. Für alles Mögliche gab es Kontrollkarten oder Befreiungskarten.


Man hatte aber überall so seine "Ohren", und so versuchte mancher vor den strengen Kontrollen einige Lebensmittel zu verstecken. In mancher Nacht konnte man "Irrlichter" in den Feldern sehen und Menschen, die Getreide, Schnaps und Speck verbuddelten. Weil zu wenig Brotgetreide geliefert wurde, führten die Franzosen erneut Kontrollen in den Dörfern durch. Man soll dabei noch - so steht es in der Schulchronik - 120 Zentner Getreide und Mehl beschlagnahmt haben. Als Ausgleich hatte der Amtsbezirk noch 40 Schweine abzuliefern.

Am 15. Dezember 1945 wurden die Franzosen von den Luxemburgern abgelöst. Diese spielten sich als Herren auf und inszenierten frei, nach Wilhelm Tell, bühnenreife Vorstellungen. So errichteten sie auf der Prümbrücke ein Schilderhäuschen mit Schlagbaum und Fahnenmast und zwangen die vorübergehenden Jungen und Männer, den Hut zu ziehen und der Fahne die Ehrerbietung zu erweisen. Grüßte einer nicht, so wurde er schikaniert. So geschah es eines Tages, dass ein Mann aus Mülbach vorüber- ging und sich weigerte, die Fahne zu grüßen. Da zwangen ihn die Wachsoldaten, einen schweren eisernen Munitionswagen etliche Male den steilen Prümabhang heraufzu- ziehen, bis er endlich bereit war, den Gruß zu bieten. Viele Bürger trugen dann keine Kopfbedeckungen mehr, um der Schmach zu entgehen. Dieses Spiel ging so bis zum 10. Oktober 1946, dann wurde der Posten wieder eingezogen.

Lebensmittelkarten und Bezugsscheine wie im ersten Weltkrieg hatten helfen sollen, die wenigen Nahrungs- und Bedarfsgüter gerecht zu verteilen. Eigentlich konnte man nur durch Tauschhandel - Hamstern oder Kompensieren genannt - seinen Bedarf halbwegs decken. Wer nichts zu tauschen hatte, musste sich auf mildtätige Gaben verlassen. Trotz des immer stärker werdenden Egoismus unter den Menschen gab es auch solche, die aus Barmherzigkeit etwas gaben und arme Kinder aufnahmen.
Getauscht wurde alles, denn gegen Geld war außer das, was auf den Lebensmittelkarten zugebilligt wurde, nichts zu bekommen. Der Schwarzmarkt kam zu einer ungeahnten Blüte. Die nahe luxemburgische Grenze lockte manchen Grenzbewohner bei Nacht und Nebel ein einträgliches Geschäft mit Schnaps und Zigaretten zu betreiben. Und doch war vieles vorhanden, versteckt in Lägern, was sich nach der Währungsreform offenbarte. Jetzt waren über Nacht die Läden voll; aber kaum einer hatte das Geld, um diese Dinge zu kaufen.
Diese Währungsreform kam am 20. Juni 1948. Die Reichsmark (RM) wurde um 90% abgewertet. Alles Geld wurde abgeliefert. Jeder Bürger erhielt gegen 60 RM neue 60 DM (Deutsche Mark), die ja inzwischen auch schon zur Geschichte gehört. Von den restlichen 10%-Geldwert konnte die Hälfte umgetauscht werden, die andere Hälfte blieb gesperrt. Auf diese Weise wurden die Menschen um den größten Teil ihres Ersparten gebracht. Das Vertrauen ins Geld wurde stark erschüttert und der Sparwille getötet. Wozu noch sparen? Schnell ausgeben, bevor das Geld wieder futsch ist!
Lange blieben die Abgaben der Landwirtschaft noch bestehen. Bis 1949 hatten Bauern monatlich Vieh abzuliefern, was vom Ortsbürgermeister kontrolliert werden musste. Amts- und Ortsbürgermeister Hubert Dohm, der von den Amerikanern kommissarisch eingesetzt worden war, weil er nicht der Partei angehört hatte, hatte damals keinen leichten Stand. Aber die Bauern versuchten nach Möglichkeit, diese Regelungen zu unterlaufen. Man schlachtete schwarz und versteckte einen Teil seiner Erträge. In manchen Ställen ging der Viehbestand um die Hälfte zurück. Innerhalb der Dörfer kam es zu heftigen Auseinandersetzungen und Denunziationen wegen der Ablieferungen. Öffentliche Mahnungen und Drohungen schreckten zuletzt keinen mehr ab. Korruption war in allen Ständen zu finden, und selbst die Richter mussten über Dinge urteilen, deren sie sich selber schuldig gemacht hatten.

 


Oberweis im Bundesland Rheinland-Pfalz

1946/47 wurde aus den linksrheinischen Teilen der französischen Besatzungszone das Land Rheinland-Pfalz gegründet und in Regierungsbezirke aufgeteilt. Der Regierungsbezirk Trier (heute ADD - Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion), umfasste den Bereich des Bistums Trier. Diese Regierungsbezirke waren wiederum in Kreise aufgeteilt. So gehörte Oberweis zum Kreis Bitburg - der Kreis Prüm war damals noch separat - und zum Regierungsbezirk Trier im Land Rheinland-Pfalz. Parteien hatten sich wieder etabliert. In Oberweis existierte eigentlich nur eine Partei über Jahrzehnte hin, und das war die CDU. In der Landtagswahl vom 18. Mai 1947 errang diese Partei 245 Stimmen; das waren 91%. Eine Kreistagswahl hatte es im Jahr davor gegeben, wo die CDU 90% der Stimmen auf sich verbuchen konnte.


Bei einer der CDU-Versammlungen in der Gastwirtschaft Rinnen ereignete sich ein folgenschwerer Unfall. Nach Beendigung der Versammlung wollte man sich dem gemütlichen Teil zuwenden und bei einem Glas Bier die Stammtischrunde eröffnen, als plötzlich das Bierfass explodierte, wahrscheinlich durch den starken Druck der Kohlensäure. Gastwirt Rinnen wurde von einem Splitter so stark verletzt, dass er in bewusstlosem Zustand ins Bitburger Krankenhaus eingeliefert werden musste.


Am 14. August 1949 wurde der erste Bundestag gewählt. Die Wahlbeteiligung war 90,9 %. 215 Stimmen erhielt die CDU, 58 Stimmen die FDP, 12 Stimmen die SPD und 8 Stimmen die KPD.


Neue Glocken für die Oberweiser Kirche

Während des Krieges hatte die Oberweiser Kirche zwei ihrer drei Glocken abliefern müssen. Jetzt am 16. August 1949 kam unter Pfarrer Wagner mit der Einweihung der neuen Glocken ein großer Fest- und Freudentag für die ganze Gemeinde. Durch Hausspenden, Kirchenkollekten und den Verkauf von Ansichtskarten war Geld für die Glocken beschafft worden. Von Reitern und bunt geschmückten Fahrrädern wurde der Festzug zur Kirche geleitet, wo der Festgottesdienst stattfand. Nach der Weihe durfte jeder die Glocken anschlagen und ein Geldopfer dafür bringen. Die größere, die Christkönigsglocke, trägt den Spruch: "Nicht Waffenlärm und Kriegesbrand, nur Christi Lehr schützt Leut und Land. 1949". Auf der kleineren "Remigiusglocke" steht zu lesen: "Wo Väter Brauch in Ehren steht, da blüht der Glaube unversehrt. 1949".

 


Aufschwung in den 50er Jahren                                

Die 50ger Jahre waren die sogenannten "Aufbaujahre":

1950 --Reparatur der Hauptstraße
1951 --Neue Chorfenster in der Kirche
1952 --Sechs neue Fenster im Kirchenschiff
1953 --Bau des Pfarrsälchens ( "zur Formung der Jugend" - Schulchronik)
--Neubau einer Straße zur Kirche (Vorher gelangte man nur über die Treppe
am Kapellchen zur Kirche hinauf.)
-Kanalisierung und Teerung von Obergasse und Bachstraße
-Wiederaufbau der Nierbachbrücke in Richtung Baustert mit gleichzeitiger
Verschiebung um 10 m nach Norden, wodurch die vorherige starke
Südkurve entschärft wurde.
-Erweiterung der Brücke am Rasenbach
-Kanalisierung und Ausbau von Mittelgasse und Untergasse (Teerung 1954)
1954 -Ausbau und Teerung der Straße nach Feilsdorf bis zum Transformatoren-
häuschen
-Teerung der Straße nach Bettingen
-Ausbesserung des örtlichen Stromnetzes von Kriegsschäden
-Anschluss der Einzelhöfe an das Stromnetz
-Neuer Verputz für den Kirchturm
-Neue Wasserrinnen an der Unter- und Mittelgasse
-Renovierung des Amtsgebäudes: Heizung, Fußboden, Fenster, Türen,
Anstrich und eine neue Registratur
1955 -Wiederaufbau der Nierbachbrücke nach Bettingen
-Zweispuriger Neubau der Prümbrücke für 225000,-DM
-Ausbau der Kracht (Groscht, Grabenstraße)
-Bau eines Gemeindewaschhauses am Gemeindehaus (alte Wohnhaus
Schäfer in der Bachstraße, heutige Feuerwehrhaus)
-Ausbau des Kuhweges
1956 -Errichtung des Gefallenen-Ehrenmales, seitlich der Kirche; gebaut vom
Bitburger Bildhauer Dellere
-Anstrich für die Pfarrkirche für 3850,-DM, die von den Pfarrangehörigen
aufgebracht wurden
Gebrauchter Ford-Kombi für die Feuerwehr (Standort: Schulscheune)


1957 -Außenverputz des Amtsgebäudes
-Bau eines Schuppens für den Leichenwagen
1958 -Teerung einiger "vergessener" Ecken: Anschluss des Hauses Disch an die
Bachstraße; Straße zum Schmied; Weg zu Dennenwaldt ausgebessert
1961 --Bau und Einweihung der neuen Schule

 

Großes Unwetter über Oberweis                                  

Das Jahr 1954 ist den Oberweisern trotz der vielen Verschönerungen, die das Dorf in diesem Jahr durchgeführt hat, nicht allzu gut in Erinnerung geblieben. Das Wetter brachte die bäuerliche Bevölkerung und auch die Bauarbeiter oft zur Verzweiflung. Das Jahr war insgesamt ein "verkehrtes" Jahr. Der Mai war zu trocken; Juni, Juli und August zu nass und kalt und dann kam der September!
Der Trierische Volksfreund schrieb dazu:
"Die ältesten Einwohner im Raume Oberweis können sich nicht daran erinnern, ein derartiges Unwetter miterlebt zu haben, wie es am Dienstag zwischen 17 und 18 Uhr über das Prümtal niederging. Der Himmel war tief schwarz, als es zu blitzen und zu donnern begann. Plötzlich änderte sich das Bild und zwar zu einer gelblich braunen Farbe, als sich plötzlich die Wassermassen aus den Wolken ergossen. Mit den Regenfluten ging auch Hagel nieder. In wenigen Minuten standen Felder und Wiesen unter Wasser. ....Bereits nach zehn Minuten ergossen sich aus den Bergen und Wäldern derartige Wasserrmassen in das Prümtal, dass die Prüm in kurzer Zeit so anschwoll, wie man es bisher noch nicht erlebt hat. Die Wassermassen suchten ihren Weg und rissen in den Feldern und Fluren tiefe Furchen. Alles, was ihnen Widerstand leistete, rissen sie mit ins Tal.....Auf den Getreidefeldern wurden die Garben mitgerissen oder die Frucht durch den Hagel an Ort und Stelle ausgedroschen."
Die Straße Oberweis-Bitburg wurde an vielen Stellen stark beschädigt und musste mit Maschineneinsatz geräumt und instand gesetzt werden. Zwei Tage dauerte es, bis sie für den Verkehr wieder frei gegeben werden konnte.


Vom Waschen im Bach bis zum neuen Waschhaus

Im Juni 1955 wurde im sonst ungenutzten Gemeindehaus oder Gemeindescheune - der Name variierte - je nach Nutzung - eine sogenannte "gemeindliche Waschanlage" gebaut mit einer großen elektrischen Waschmaschine und einer Schleuder. Das war für das Dorf eine große Errungenschaft. So steht in der Schulchronik, die zu der Zeit Lehrer Emmerich führte, folgende Eintragung: "...Sie (die Waschanlage) freute sich - bis auf einige Abseitsstehende - eines regen Zuspruches.....Damit ist eine bis dahin wertlose Scheune der Allgemeinheit dienstbar gemacht worden zum Wohle der kinderreichen Familien und zur Entlastung der Bauersfrauen."
Wenn man bedenkt, wie mühselig früher gewaschen wurde, war dies wirklich ein großer Fortschritt. Die "Waschmaschine" vormals waren die Prüm oder der Bach in der Bachstraße.
Dieser Bach kam von Mülbach, betrieb die Vollmühle, floss dann durch die Wiesen zum Haus Disch (Spartz), an deren Garten vorbei, unter der Feilsdorfer Straße hindurch, bis er vor dem Gärtchen, das neben dem heutigen Feuerwehrhaus lag, wieder ans Licht kam. Durch die weitere Bachstraße lief er mehr oder weniger offen bis zur Theismühle. Hier hatte er seine letzte Aufgabe zu erfüllen, bevor er sich in die Prüm ergoss. Zu den einzelnen Häusern an der Bachseite der Straße gelangte man über Steinplatten, die den Bach an den Einfahrten abdeckten. Für die Kinder war der Bach ein beliebter Spielplatz. Wenigstens einmal musste jeder in den Bach gefallen sein, um ein richtiges Mitglied der Bachstraßenbewohner zu sein. Manchmal führte dieses doch verhältnismäßig kleine Gewässer auch Hochwasser und konnte sich ganz schön wild gebärden. Marga Dennenwaldt bekam dies zu spüren, als sie beim Spielen an so einem "Hochwassertag" in den Bach stürzte und die halbe Bachstraße lang vom Wasser mitgerissen wurde. Erst kurz vor dem Rohr unter der Brechter Straße hindurch konnte sie gerettet werden. Welch ein Wunder, dass in diesem Bach nie ein Kind ertrunken ist!
Zwei Waschplätze gab es hier in der Bachstraße. Einer lag am Gärtchen beim Feuerwehrhaus, der damaligen Dorfscheune, den zweiten hatte man sich vor Gaspers Gärtchen eingerichtet. Eingerichtet heißt, man zog mit seiner aus Holz gebauten "Waschkiste zum Bach, suchte sich einen besonders großen, glatten Stein, auf dem die Wäsche bearbeitet, d.h. mit dem "Pleiel gekloppt" wurde, nachdem sie mit Seife eingerieben worden war. Gespült wurde mit dem Bachwasser.


Ob dann wirklich alles sauber war, ist schon etwas fragwürdig, zumal hier auch das Vieh getränkt, Abfälle günstig entsorgt und wohl auch das Putz- und Spülwasser aus den Hausabflüssen eingelassen wurde! Aber man wusch ja nur die bunte Wäsche hier.
Weiße Wäsche, die sogenannte Kochwäsche, wurde mit großem Zeit- und Kraftaufwand behandelt. Hier steckte man nachmittags die angefeuchtete Wäsche in einen großen Kessel, bedeckte sie mit einem Leinentuch, auf das man Holzasche verteilte. Nun wurde immer wieder bis zum Abend kochendes Wasser auf die Wäsche geschüttet. Überflüssiges konnte man unten am Kessel über ein Kränchen ablaufen lassen. Nachts blieb die Brühe "zum Ziehen" stehen. Am nächsten Morgen packte man die Wäsche in Bütten und transportierte sie an die Prüm, um sie auf den Wiesen dort zu bleichen. Das war eine Aufgabe für die Kinder, die dann ständig die Wäsche mit einer Gießkanne feucht halten mussten und das auch wohl gerne taten, wie erzählt wird. Nach dem Bleichvorgang wurde im Prümwasser gespült, alles gut ausgewrungen und zu Hause zum Trocknen aufgehängt. Allerdings wurde nur wenige Male im Jahr diese aufwändige Wascherei in Angriff genommen. Man war damals noch kein Reinlichkeitsfernatiker.
Dann kam also 1955 das neue Waschhaus mit seiner elektrischen Waschmaschine. Der Bach war inzwischen verrohrt worden und so musste ein Ersatz geschaffen werden, denn nicht alle Familien konnten sich die elektrischen Waschmaschinen leisten, die inzwischen auf dem Markt waren. Wie steht in der Schulchronik über die Kanalisierung der Bachstraße im Jahre 1953 zu lesen?

"...Nicht nur, dass dieser Bach der Straße - diese besaß nicht einmal ein Straßenbett - die notwendige Breite für den heutigen Verkehr nimmt, diente der Bach zur Aufnahme des unmöglichsten Schmutzes. Mit der Einlegung des Bachbettes wurde also keine Romantik zu Grabe getragen, sondern die Straße hat heute zwei breite Fahrbahnen bis auf eine Engstelle an der Kurve von der Bachstraße nach Hustert (etwa Höhe alte Schule) ...Wer heute über die Straße zur Kirche geht, kann sich kaum noch des tristen Bildes um die Mitte des Jahres erinnern. Die Durchführung der Straßenbauarbeiten....nahmen zwei volle Monate in Anspruch."

Das Waschhaus wurde im ersten Jahr von Barbara Dennenwaldt betreut. Aus Oberweis und auch aus den umliegenden Dörfern (Feilsdorf, Baustert und Mülbach) brachten die Frauen ihre Wäsche zum Waschen. Vor allem Amerikaner nutzten diese bequeme Möglichkeit. Von montags bis mittwochs konnte man seine Wäsche dort abgeben. Die meisten Leute brachten ihr eigenes Waschpulver mit, um etwas Kosten zu sparen, denn ganz billig war diese Angelegenheit nicht. Der Preis lag etwa zwischen drei und fünf Mark pro Maschinenfüllung.
Ab Ende Oktober 1956 übernahm die Mutter Anna Dennenwaldt die Leitung des Waschhauses und blieb dort bis zur Schließung im Jahre 1968.


Einweihung der Oberweiser Brücken

Ein besonders schöner Tag für das Dorf war der 8. Februar 1956, als die drei Oberweiser Brücken bei strenger Winterkälte feierlich eingeweiht wurden.

Amtsbürgermeister Bier hielt die Fest- und Dankesrede, Pfarrer Aubart nahm die Einseg-nung vor, und Ortsbürgermeister Land durchschnitt das Band, das über die erste Brücke gespannt war.
Auch hierzu brachte der Trierische Volksfreund einen Bericht:
"Ein Tag der Besinnung und des Dankes für die Gemeinde Oberweis war der vergangene Mittwoch. Drei neue Brücken wurden eingeweiht. Um 14 Uhr hatte sich die Bevölkerung auf der Prümbrücke eingefunden .......Oberweis habe allen Grund, dem Land, dem Landesbauamt und dem Landratsamt in Bitburg dafür zu danken, daß diese drei Brücken nun neu erstellt seien. So wie eine Brücke die Verbindung von Ufer zu Ufer herstelle, soll auch angeregt sein die Verbindung von Mensch zu Mensch, von Dorf zu Dorf, von Volk zu Volk.....".

In den nächsten Jahren legte sich die große Bautätigkeit, da ja inzwischen alle Straßen in Ordnung gebracht waren und etliche Häuser durch Umbau- oder Ausbautätigkeiten ein besseres Aussehen und bessere Wohnbedingungen erhalten hatten. 27 neue Häuser waren bis jetzt nach dem Krieg errichtet worden. Man erwog schon zu dieser Zeit ein neues Wohngebiet "Hinter der Kirche" zu erschließen.


Schulneubau 1961

In der Gemeinderatssitzung am 12. April 1960 wurde beschlossen, das bestehende Schulgebäude und die Lehrerwohnungen vollständig umzubauen und damit zu erweitern. Die Arbeiten begannen am 26. Juni desselben Jahres. Unter prominenter Beteiligung (Pfarrer Aubart, Regierungsrat Krämer, Landrat Schubach, Amtsbürgermeister Scholtes, Medizinalrat Dr. Werner, Bauamtmann König, Bürgermeister Land) fand am 20. Juli 1961 die Einweihung des neuen Gebäudes statt. Der damalige Schulleiter Lehrer Werner Bertrang sagte in seiner Rede: "...Hier wurde für das Wertvollste, was ein Volk hütet, seine Jugend, von wertvollsten Menschen Wertvollstes geleistet..."

Damals ahnte wohl niemand, dass Oberweis 1975 seine Schule schließen musste.


Amerikaner in Oberweis

Nach dem Krieg hatten die Amerikaner in Bitburg und Spangdahlem große Flughäfen errichtet und lebten zum Teil in der Housing auf dem Flugplatz. Viele allerdings hatten sich Wohnungen und Häuser in den umgebenden Ortschaften gemietet. Sie zahlten meist hohe Mieten und finanzierten so manches Bauvorhaben. Baute man ein Haus, kalkulierte man gleich amerikanische Mieter mit ein. Auch Oberweis hatte ein gutes Verhältnis zu seinen amerikanischen Mitbürgern. Es wurden sogar einige deutsch/amerikanische Ehen geschlossen. Die Oberweiser Jagd war an Amerikaner verpachtet, die es sich nicht nehmen ließen, am Hubertustag im Oktober 1961 die Oberweiser Schüler nach altem Brauch mit Süßigkeiten zu verwöhnen.
In der Flugplatzzeitung erschien ein Artikel mit folgendem Text:
" Today in the Eifel-Region of Germany, St. Hubertus Day is observed by an age old tradition of hunters visiting the school children of the village bordering or within the limits of the hunting lease.
The Bitburg AB Rod and Gun Club owns two leases, one at Oberweiss and the other at Fliessem. Last Friday members of the club took large boxes of candy to both schools and distributed these to the over 180 children in both villages.
The first place to be visited was the modern, well furnished school house in Oberweiss. Colonel Fred W. Vetter Jr., president of the Rod and Gun Club, accompanied by Captain Richard Rauschkolb, hunting committee chairman, and CMSgt. James Grimes, also a member of the Club, met the children, teacher and director of the Oberweiss school and were entertained with a number of songs sung by the assembled students as well as a poem recited by four, shy, red-faced little girls.
During his welcome speech, Herr Dirctor Bertrang, spoke about Americans being friends with the Germans and showing this willing friendliness. He asked the pupils to return this friendliship by the simple Means of waving to the Americans they meet and beeing kind and considerate toward Americans where ever they met them. In his final remarks to the visiting hunters Dirctor Bertrand said, "We have learned that you are our friends." ....


Die weitere Entwicklung des Dorfes                               

Die nächsten Jahre verliefen recht ruhig mit nur wenigen größeren Begebenheiten.

Eine dieser sogenannten "großen Begebenheiten" war das 50-jähriges Jubiläum der Oberweiser Feuerwehr 1963, das festlich im Dorf begangen wurde.
Etliche andere Vereine im Dorf feierten ebenfalls Jubiläen. 1972 blickte der Oberweiser Sportverein auf 40 Jahre Vereinstätigkeit zurück. Unter dem Vorsitz von Gregor Betzen, der den SVO damals schon seit 18 Jahren leitete, konnte der Verein den Staatsminister Otto Theisen zum Schirmherrn gewinnen.
50 Jahre alt wurde der 1924 gegründete Musikverein Oberweis, und der Kirchenchor feierte 1980 seinen 160-jährigen Geburtstag.

Einige Dinge hatten sich jedoch nicht unbedingt zum Vorteil des Dorflebens entwickelt. So zum Beispiel der Autoverkehr und das Einkaufen.
Wenn man den heutigen Autobestand betrachtet, wo inzwischen vor beinahe jeder Haustür zwei PKWs abgestellt sind, die das Ortsbild dadurch nicht gerade verschönern, wünscht man sich die Zahlen bei der Kraftfahrzeugzählung vom 22. Januar 1962 zurück. So befuhren die Oberweiser Straßen ganze 52 PKWs, 9 LKWs, 9 Krafträder, 34 Mopeds, 3 Mähdrescher und 31 Traktoren. (Traktoren sind allerdings heute höchstens nur noch zur Hälfte im Dorf.)
Das Verschwinden der landwirtschaftlichen Fahrzeuge aus dem Dorfbild ist mit dem Strukturwandel des Ortes zu erklären. Im Jahr 2000 gab es lediglich noch fünf Landwirte in Oberweis. Das sind die Höfe "Ludes" mit Familie Land, "Buchenhof" mit Familie Schmidt, "Birkenhof" mit Familie Winter, "Tannenhof" mit Familie Schranz (Aussiedler aus Brecht) und der Hof von Familie Hauer in der Mittelgasse, der einzige Landwirt, der im Herzen des Dorfes geblieben ist. Der bis vor kurzem noch bestehende Hof der Familie Spartz wurde als Vollerwerbsbetrieb aufgegeben und wird nur noch als Nebenerwerbsbetrieb weitergeführt. Die anderen Einwohner sind bis auf wenige Ausnahmen außerhalb des Ortes tätig und auf ihre Fahrzeuge zum Einkaufen und für den täglichen Weg zur Arbeitsstätte und zurück angewiesen. So hat sich die Zahl der PKWs vervielfacht.

Nach dem Krieg hatte man in Oberweis noch alles kaufen können, was für den täglichen Bedarf nötig war. Vier Lebensmittelgeschäfte, bei denen man auch noch andere Gebrauchsgüter bekam, gab es im Dorf. Da war ein Laden an der Prümbrücke, "Ahnekäts Jäb" genannt, der für Kinder immer einige Bonbons bereithielt, besonders wenn sie ihm "vorhusteten", wie erkältet sie waren. Ein zweites Geschäft war bei Friedrichs schräg gegenüber der Schule. In der Obergasse gab es sogar früher, vor dem Krieg, die Handlung Ludwig und schräg gegenüber Weisens.
Der Schmied hatte seine Werkstatt noch in Betrieb, etliche Schreinereien sorgten für neue Möbel und Reparaturen, Elektro-Benzschawel gab es auch schon. Zwei Schuster reparierten alte Schuhe und fertigten neue an. Schneidereien waren vorhanden. Schneiderinnen kamen auch in die Häuser und nähten da, was nötig war. Die Hebamme war dem Nachwuchs behilflich, auf die Welt zu kommen. Arzt und Viehdoktor sorgten für die Gesundheit von Mensch und Tier. Der Gendarm guckte nach dem Rechten, besonders wenn einer bei Gaspers oder Rinnen zu tief ins Glas geguckt hatte und er nicht selber der Hilfe bedurfte. Man war also rundum versorgt.
Ende der 60er Jahre konnte man in Oberweis noch die Brötchen bei der Bäckerei Gasper kaufen. Die Lebensmittelläden Ixfeld-Benzschawel und Schares, das Elektrogeschäft Benzschawel, der Friseurladen Neumann an der Hauptstraße und die Schusterwerkstatt Reines versorgten die Kundschaft mit dem Nötigsten. Als weitere Betriebe wären das Verputzergeschäft Noesges und die Viehhandlungen Betzen, Nösges und Möhnke zu nennen. Zwei Gaststätten "Gasper" und "Rinnen" mit einem großen Saalanbau, beide mit Fremdenbetten und Tankstellen, lagen an der Hauptstraße. Für die Gesundheit des Viehs war Tierarzt Schäfer zuständig. Gendarm und Humanmediziner gab es im Dorf schon nicht mehr. Der letzte Oberweiser Arzt, Dr Pucher, der lange in Oberweis praktiziert hatte, zog in den sechziger Jahren nach Trier.

Oberweis schien in den Dornröschenschlaf zu verfallen.

Allerdings war da noch etwas, was etliche Gemüter auf das Heftigste erhitzte und wochenlange Diskussionen und Streitereien auslöste. Und das war der


"Ku(h)damm in Oberweis"

In seiner Sitzung vom 12.2.1974 beschloss der Ortsgemeinderat unter Vorsitz von Ortsbürgermeister Nikolaus Schmidt, für alle Gemeindestraßen Straßennamen einzuführen. Man mühte sich redlich, allen Vosrstellungen gerecht zu werden, beachtete die Geschichte des Heimatortes und kam zu Bezeichnungen wie Römerstraße, Münzenstraße; bemühte die Dichter und Denker, die für die Namen Schiller-, Goethe-, Kant-und Herderstraße zuständig waren. Die Geographie kam auch nicht zu kurz: Es gab eine Bettinger Straße, eine Bitburger Straße, eine Neuerburger Straße usw. Man wollte aber auch der Tradition gerecht werden, und so entschloss man sich, die Straße zum Altenhof hin - wie im Dialekt üblich "Kehwech" - "Kuhweg" zu nennen. Und damit brach das Gewitter los.
Einige Anwohner unter der Federführung von Hauptlehrer Erich Hoffmann beschwerten sich heftig. Da eine Eingabe an den Gemeinderat nicht ausreichte, ging man sodann an die Öffentlichkeit, sprich an die Presse, und veröffentlichte erregte Briefe im "Trierischen Volksfreund". Die meisten Dorfbewohner amüsierten sich köstlich ob dieser Posse; nichts desto weniger wurde überall ausgiebig debattiert. Wenn man sich auf der Gasse traf, kam gleich die Frage auf: "Was gibt`s Neues über den Kuhweg?" So intensiv war der "Trierische Volksfreund" lange nicht mehr gelesen worden. Auch nachdem der endgültige Beschluss des Gemeinderates vorlag und die Straßenschilder aufgestellt worden waren, bot der "Ku(h)damm" in Oberweis immer noch Gesprächsstoff.

Inzwischen hat jeder sich an den Namen gewöhnt, und man kann den damaligen Disput kaum noch nachvollziehen.


Durch die Verwaltungsreform 1970 wurde das Amt Oberweis aufgelöst und die Verwaltung des alten Amtsbereiches nach Bitburg verlegt. 1975 endete, wie schon erwähnt, der Schulbetrieb, und nach und nach schlossen die meisten Geschäfte, weil kein Interesse oder keine Nachkommen, die den Betrieb fortführen wollten, vorhanden waren.
Trotz allem sind etliche positive dorfgestaltende Dinge entstanden, erhalten geblieben oder haben sich neu ausgebildet.

 


Das Schwimmbad                               

Da wäre z. B. der Neubau des im Krieg zerstörten Oberweiser Schwimmbades. Schon im Sommer 1964 konnte man den Regierungspräsidenten Schubach und Landrat Vogt von der Notwendigkeit eines Schwimmbadneubaues in Oberweis überzeugen. Im Juli 1965 wurde mit dem Bau begonnen. Das Projekt fand so großes Interesse , dass sogar der Ministerpräsident von Rheinland/Pfalz, Peter Altmeier nach seiner Visite in Bettingen, wo er das neu erbaute Jugendheim besichtigt hatte, es sich nicht nehmen ließ, auch dem Oberweiser Schwimmbadbau einen Besuch abzustatten.


Im Frühsommer 1966 wurde das Bad seiner Bestimmung übergeben. Über 20 Jahre hatte es gedauert, bis das Bad wieder aufgebaut wurde. Wie im "Trierischen Volksfreund" berichtet, hatte Landrat Vogt sich in seiner Festrede dahingehend geäußert, daß man im stark vom Krieg zerstörten Kreis Bitburg vordringlichere Aufgaben habe lösen müssen als Schwimmbäder zu bauen. Nach Erfüllung des größten Nachholbedarfs sei es nun aber an der Zeit, auch Freizeit- und Erholungsstätten für die Bevölkerung zu schaffen. Er versprach ferner, man werde auch Gelder in diese Anlage investieren.

Inzwischen ist dieses Schwimmbad zu einem Erlebnisbad umgebaut und damit zu einer großen Bereicherung für das Dorf und Anziehungspunkt für viele Gäste aus nah und fern geworden.


Die Leichenhalle

Zwei Jahre später baute die Gemeinde am Friedhof eine Leichenhalle mit einer seitlichen Nische für das Kriegerehrenmal, das bisher an der Ostseite der Kirche gestanden hatte. "Das Gedenken an die Opfer der Weltkriege soll keine Verherrlichung des Krieges, sondern eine Mahnung an die Lebenden sein", sagte Amtsbürgermeister Theo Scholtes sen. anlässlich der Einweihung an Buß- und Bettag 1968.


Die Vereinsgemeinschaft

Um größere Veranstaltungen "profihafter" durchführen zu können, hatten sich schon vor Jahren einige Vereine zu einer Gemeinschaft zusammengeschlossen. So gestaltete diese Vereinsgemeinschaft etliche Jahre lang den Altentag in der Schule, wo den Senioren im Dorf ein festlicher Nachmittag geboten wurde.


Heute ist es so, dass die Frauengemeinschaft die Verpflegung organisiert und die Gemeinde das Programm gestaltet und die Kosten trägt. 1977 organisierte die Vereinsgemeinschaft ein großes Sommerfest, dessen Erlös für die Außenrenovierung der Pfarrkirche bestimmt war.
Heute gestalten die Vereine gemeinsam den Oberweiser Karneval und organisieren die Nikolausfeier für die Dorfkinder. Besondere Veranstaltungen, wie z.B. die Kirmes oder größere Dorffeste, sind meistens gemeinsame Aktionen der Oberweiser Vereine; genauso wie Verschönerungsaktionen. So wurde u.a. die "Schule" von vielen freiwilligen Helfern mit einem neuen Anstrich versehen. In jedem Frühjahr, am sogenannten Umwelttag, treffen sich Vereinsmitglieder, Jagdpächter und Jugendliche, um die Oberweiser Flur nach Unrat und Müll zu durchsuchen. Nach der Arbeit sitzt man in gemütlicher Runde in der Schulküche und stärkt sich bei Erbsensuppe, Würstchen und Bier.


Die Schule                                

Leider ist dies kein sehr erfreuliches Kapitel für Oberweis, obwohl es anfangs gar nicht so schlecht aussah, denn man hatte Pläne, eine Mittelpunktschule in dem Neubaugebiet "Hinter der Kirche" zu errichten. Unstimmigkeiten unter den Landwirten und ablehnende Haltungen und Einflussnahmen bestimmter Persönlichkeiten verhinderten jedoch dieses Vorhaben. Schade, denn das wäre für Oberweis eine Chance gewesen, die abbröckelnde Infrastruktur wieder zu beleben.
Bei der Schulreform 1975 wurde die alte "Volksschule" abgeschafft und durch die Aufteilung in Grund- und Hauptschule reformiert. Über die Standorte dieser neuen Schulbereiche gab es lange und heftige Auseinandersetzungen. So glaubte man 1971 noch, die Oberweiser Schule mit den Schülern von Brecht als Grundschule halten zu können. Leider entschied man anders, und die Brechter Kinder kamen nach Rittersdorf. Die Schülerinnen und Schüler von Oberweis wurden dann an die Bettinger Grundschule überwiesen.


Vom "alten" Schulgebäude - zum "neuen" Gemeindehaus

Das nun seit 1975 leer stehende Schulgebäude wurde so nach und nach einer neuen Nutzung zugeführt. In einem der Schulsäle etablierte sich der Gemeinderat. Der Schulraum wurde zum Gemeinderaum. Der zweite Schulsaal bekam eine Küchenzeile und fungiert nun als Küche und Vorführ- und Wirtschaftsraum für die Frauengemeinschaft. Beide Säle können von Vereinen oder Privatpersonen für Veranstaltungen gemietet werden. Der zweite Schulsaal im alten Teil des Gebäudes oben beherbergt seit 1981 die Fahrschule Follmann. Der sogenannte Mehrzweckraum, der dann auch einige Zeit als Turnraum und sogar als Klassenraum diente, ist seit dem 4. Juli 1987 Friseursalon, geführt von Ingrid Esch/Nösges. Das Friseurgeschäft war davor zwei Jahre lang in dem Laden des früheren Friseurs Neuhaus an der Neuerburger Straße. Dieses Haus ist zusammen mit seinem Nachbarhaus Pick 1986 abgerissen worden. An der Stelle ist jetzt ein Parkplatz von Auto Rinnen. Die oben im "neuen" Teil sich befindende "Aula", die auch einige Zeit als Klassenraum für die Kleinen (1./2. Schuljahr) benutzt wurde, ist von der DLRG in Eigenleistung zum Jugend- und Feierraum umgestaltet worden.
In einer gemeinsamen Aktion der Oberweiser Vereine wurde 1999 das Gebäude von außen gestrichen und bot so der Kommission zum Kreisentscheid beim Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" im Jahr darauf einen freundlichen und einladenden Anblick. Nicht nur die schön gestrichene Schule und das renovierte Pfarrhaus, sondern vor allem das gute, harmonische Verhältnis der Oberweiser Vereine untereinander und die intensive Jugendarbeit (Tanzgruppen, Teestube und Mäusebude) haben erheblich dazu beigetragen, das Oberweis in diesem Kreisentscheid als Sieger hervorging.


Die Kläranlage

In den Eifeldörfern - und nicht nur in diesen - war es üblich, die Fäkalien in zwei- oder dreikammerigen Hauskläranlagen zu sammeln, die dann, wenn es nötig war, von hiesigen Landwirten mit ihren Güllefässern entleert wurden, um dann diesen "Dünger" auf ihre Felder zu verteilen. Diese Entsorgungsart widersprach in den achtziger Jahren den Hygienevorschriften, und es musste auch für Oberweis und die umliegenden Ortschaften eine vorschriftsmäßige Kanalisierung und Klärung der Abwässer errichtet werden. In dem Flurbereich "Auf Steinheck" an der L7 nach Bettingen fand sich die geeignete Stelle für den Bau einer Gruppenkläranlage. Am 5. Mai 1989 wurde mit dem Bau begonnen. Für 8,7 Millionen DM wurde die Anlage erstellt, und die Orte Oberweis, Baustert, Brecht, Hütterscheid, Mülbach, Wißmannsdorf, Hermesdorf, Koosbüsch entsorgen hier ihre Abwässer. Die Gemeinden Brimingen, Hisel, Feilsdorf und Rußdorf folgten später.
In einigen Straßenzügen in Oberweis lagen bereits früher verlegte Abwasserrohre, aber etliche Straßen wurden aufgerissen und kanalisiert. Durch diese Bauarbeiten aber auch durch die erhöhten Verkehrsbelastungen wurde es bald nötig, die Gemeindestraßen, Bundes- und Landesstraßen in den nächsten Jahren zu restaurieren, was auch nach und nach geschah.


Oberweis in den Jubiläumsjahren 2001/2002                                
  

Inzwischen sind alle Oberweiser Straßen instand gesetzt und nach den neuesten straßenbaulichen Gesichtspunkten ausgebaut und begrünt worden. Viele alte Häuser im Dorfmittelpunkt sind denkmalgerecht restauriert. Andere alte Gebäude wurden einer neuen Nutzung zugeführt und konnten so in ihrer Substanz erhalten werden. Die Neubaugebiete fügen sich harmonisch in das Dorfbild ein, neue Planungen runden das Gesamtbild ab, so dass Oberweis sich als einheitlich geschlossenes und charakteristisches Eifeldorf darstellen kann, was schließlich im Mai 2000 mit dem ersten Platz im Kreisentscheid des Wettbewerbes "Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft" und am 14. März 2001 mit der Anerkennung als Fremdenverkehrsort belohnt wurde.
So ist auch die "Agenda 21" schon seit einigen Jahren in Oberweis Prinzip des Handelns, obwohl erst jetzt in der Sitzung des Ortsgemeinderates vom 11. Oktober 2001 beschlossen wurde, offiziell den lokalen Agenda-Prozess zu starten und für unser Dorf ein eigenes Programm unter Fortführung und Einbeziehung der bisherigen Aktivitäten aufzustellen. Dabei ist uns besonders wichtig, dass - neben den ökologischen Aspekten - alle Bürger in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, dass weiterhin gemeinsame Projekte aufgestellt und durchgeführt werden, dass Jugendliche, wie es bisher schon gehandhabt wird, betreut werden aber zunehmend auch eigenverantwortlich für die Entwicklung und Durchführung von Aufgaben tätig sind, z.B. jetzt schon bei dem Projekt "Oberweis geht online", dass Frauen und Männer gemeinsam Verantwortung für das Wohlergehen aller innerhalb der Dorfgemeinschaft übernehmen, dass Senioren und Seniorinnen in die Gemeinschaft integriert bleiben und sich weiterhin an politischen und sozialen Geschehen beteiligen können und, dass Kinder ein kindergerechtes, kinderfreundliches und gesundes Dorf vorfinden.

Seinen Bürgerinnen und Bürgern bietet Oberweis im Jubiläumsjahr 2002 ein freundliches und liebenswertes Zuhause und heißt - zum Anlass des 1200-jährigen Bestehens - alle Feriengäste und Besucher herzlich willkommen!


von Marlis Evertz